Mittwoch, 11. Juni 2014

Mittwochssuppe: Zuppa sarda

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe:


Vielleicht ist ja noch ein Kanten Weißbrot vom Pfingstwochenende übrig geblieben? Die hitzigen Temperaturen sind in Richtung Keller gefallen, aber schon kriecht wieder die Sonne hinter den Wolken hervor, unser Kreislauf torkelt und ein langer Aufenthalt im Herd lockt uns heute nicht? Dann kochen wir mal was Schnelles, Einfaches und dennoch Kapriziöses:

Zuppa sarda - Brot-Käse-Suppe aus Sardinien


Wir brauchen:

200 g jungen Pecorino, 4 EL geriebenen reifen alten Pecorino, 200 g altbackenes Weißbrot in dünnen Schnitten, 2 EL fruchtiges Olivenöl,  ein paar getrocknete Peperoncini, 1 Knolle Fenchel, 1 L heiße Fleischbrühe (vorzugsweise vom Lamm), Hauch Knoblauchbutter. Gewürze: Muskat, frischer Pfeffer, Petersilie.

Und so geht's:

1 Vorbereitung: Jungen Pecorino entrinden und in Scheiben schneiden (Alternative: Buffalo-Mozzarella). Petersilie waschen und hacken. Fenchel putzen und mit dem Grün fein schneiden. Peperoncini zerkrümeln. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Eine Auflaufform mit einem Hauch Knoblauchbutter ausreiben.

2 Auflaufform zunächst mit den Brotscheiben, dann mit einer Lage Käse auslegen, mit Petersilie, Peperoncini-Krümeln, Fenchel, Pfeffer und Muskat bestreuen. Etwas Brühe angießen. Alle Lagen schichten. Den Rest der Brühe darüber gießen. Mit dem geriebenen reifen Pecorino und Olivenöl beträufeln.

3 Suppe in der Mitte des Backofens 15 Minuten garen, bis die Oberfläche gebräunt ist. Kurz ruhen lassen, dann den Topf auf den Tisch stellen und die Suppenkelle eintauchen. Buonissimo! *


Zugegeben, ich bin gerade in einer Käse-Phase .. aber so simpel und gradlinig wie diese Suppe ist, so fantastisch schmeckt sie. Es lebe die Cucina povera, die noble einfache Küche, in der die italienischen Mammas und Cucinere eine solche Meisterschaft entwickelten, geboren aus der Entbehrung früherer Zeiten heraus, aus Genügsamkeit und Ideenvielfalt. Eine umwerfende Mischung -  aber wie immer müssen die Zutaten einfach klasse sein! Verkosten Sie ein Stückchen vom Pecorino an der Frische-Theke - soviel Zeit muss sein. Und nehmen Sie ein paar Gramm mehr .. fein gehobelt, pur mit einem Hauch guten Balsamicoessig genossen ein fabelhafter Appetithappen.

Auf Sardinien dürfen zahllose Schafe noch ein sehr freies Leben führen, ihre Milch fließt im herrlichen Pecorino zusammen. Kenner genießen ihn in vielen Reifestufen, auch veredelt mit Zugaben wie Pfeffer, Chili, Schokolade .. Aber es geht eben nix über das Original!  Am besten direkt auf der Insel, in einer Hafenbar, gemeinsam mit anderen luftgetrockneten kleinen Schweinereien - Salami, Speck und Schinken - und natürlich einem sardischen roten Canonau oder weißen Vermentino - nicht zu vergessen das Pane Carasau - hauchdünnes, krosses Fladenbrot. 




* Originalrezept in: "Die neue italienische Küche", GU


Sonntag, 8. Juni 2014

Warum haben so wenige kleine und mittlere Unternehmen ein eigenes Blog?

1a-Grenadas: Sonntagsthema: Ja, bittschön - Warum denn keinen?: Blogging für kleine und mittlere Unternehmen Früher war es der Lokalfunk – heute ist es der Unternehmensblog * – ...

1a-Grenadas: Sonntagsthema: Ja, bittschön - Warum denn keinen?

MissWord!s heutiges Sonntagsthema: Blogging für kleine und mittlere Unternehmen. Warum auf die unbestreitbaren Vorteile eines Blogs verzichten?

Sonntagsthema: Ja, bittschön - Warum denn keinen?


Blogging für kleine und mittlere Unternehmen


Früher war es der Lokalfunk – heute ist es der Unternehmensblog * – besser: er könnte es sein! Denn hierzulande ist ihre Zahl noch gering. Sollen, können, wollen kleinere und mittlere Unternehmen, die vielleicht „nur“ im lokalen Umfeld Business betreiben, einen Unternehmensblog führen? 

Fakt ist, ein Firmenblog gehört heute zur Öffentlichkeitsarbeit wie die Pressemeldung, der Newsletter oder die Pflege der Social Media Aktivitäten. Warum gibt es in Deutschland trotz intensiver Internetnutzung immer noch relativ wenige davon? Und warum kommen viele, die es bereits gibt, einfach nicht an?

Selbst bestimmen was Sache ist!

Im Gespräch bleiben mit den Kunden war in internetlosen Zeiten noch eine Einbahnstraße. Man sandte Mailings aus und hoffte, dass die Adressaten reagierten. Genau konnte man die Akzeptanz nicht messen, am ehesten noch am Rücklauf der (hoffentlich) clever beigelegten Response-Aktionen. Mit einem Unternehmensblog kann man auch als kleines Unternehmen selbst bestimmen, welche Geschichten man über sich erzählt – und muss nicht warten, bis der (Lokal-)Reporter kommt oder eine Pressemitteilung von einer Redaktion aufgegriffen wurde.

Beispiel: Eine Airbrush-Werkstatt mit regionalem Einzugsbereich postet auf ihrem Blog, was in der Werkstatt so los ist. Welche neuen Projekte realisiert wurden, ob ein Oldtimer-VW-Käfer mit Hilfe der Airbrush-Technik zu einem Hingucker verändert wurde oder ein Trabi zu einem Museumsstück. Dass man die lokale Behindertenwerkstatt unterstützt und Praktika anbietet  und dass der junge Inhaber sich bei der Rallye Monte Christo quer durch das Kukuruzgebirge wacker geschlagen hat – natürlich in einem airbrush-verzierten Rallyewagen .. Schöne Bilder gibt's sowieso.

Mitreißen und in den Dunstkreis des Unternehmens hineinziehen - Leser zu Sympathisanten machen

Ich selbst kaufe lieber im Käseladen in einer verwinkelten Gasse als im Supermarkt (Ausnahmen erlaubt). Die liebenswürdige Käse-Aficionada dort hat es im Blut, wann genau welcher ihrer duftenden Goudalaibe im alten Steinkeller, den sie extra dafür angemietet hat, reif genug ist für den optimalen Verzehr, wann die Rinde eines alten Pecorinos frisch gebürstet werden muss und wann es Zeit wird, den Ziegenkäse zu wenden. Sie strahlt die Liebe zum Käse zum Greifen aus und motiviert mich so ganz nebenbei, immer ein Stück mehr zu kaufen als mein Ein-Personen-Haushalt verkraften kann. Aber ich tue mein Bestes, denn isch liebe Fromasch... Auf ihrem Blog bindet sie mit aktuellen Infos aus ihrem Käse-Alltag ihre Leser resp. Kunden an ihr Geschäft.

Was macht einen Blog zum Knaller?

Sie merken schon – Sich in die Blogosphäre einzureihen macht Sinn, vorausgesetzt - man hat etwas zu sagen. UND – man tut es mit Leidenschaft und Herzblut. Im Klartext: Dahinter muss weniger ein kluger, soll heißen: marketingerfahrener Kopf stecken, sondern jemand, der für seine Sache „brennt“. Das sind ja wohl auch die besten Unternehmer, na ja  ... meistens.

Leider fühlen sich Unternehmensblogs oft wie aus der Retorte an. Sie bedienen zwar die unternehmensrelevanten Inhalte, werden aber in der Regel aus der Unternehmenssicht geschrieben und die ist – ächz, gähn.. - langweilig für den Konsumenten. Zumal diese Sicht oft mit kleinen Wink-Elementen versehen ist, mit denen der Leser dem Unternehmen zujubeln soll.

Natürlich heißt das nicht, dass ein Blog ein ausschließliches Entertainment-Tool ist und natürlich bietet nicht jede Unternehmensmaterie ständig Reibungsflächen für Spannung, Sensation und Zündstoff. Dennoch ist es einem professionellen Textmenschen möglich, auch eher trockene und sachbezogene oder auf komplexe und heikle Sachverhalte verweisende Inhalte in frischem und attraktivem Duktus an Frau und Mann zu bringen.

Was spricht für einen Unternehmensblog?

Schlägt man kleineren und mittleren Unternehmen ein eigenes Blog vor, kommt eine Reihe von Abwehr-Argumenten:

  • Dafür haben wir keine Kapazitäten. Verkauf ist wichtiger.
  • Ich weiß gar nicht, was man über uns schreiben sollte.
  • Unsere Kunden finden uns schon - früher oder später - wenn sie lange genug suchen (Hääh?)
  • Die Leute werden doch eh von Informationen und Medien überflutet.
  • Wie ist denn das Kosten-Nutzen-Verhältnis?
  • Wer soll'n dat lesen? Wir nehmen uns nicht so wichtig und bleiben lieber im Hintergrund.


Natürlich muss dem Blog ein festes Zeitvolumen eingeräumt werden, denn der regelmäßige Vogel frisst den Wurm. Ein fähiger Mitarbeiter oder der Chef resp. die Geschäftsinhaberin selbst muss dafür die Verantwortung übernehmen. Natürlich braucht es eine gewisse Zeit, bis der Blog sich  eingenistet hat, und es kann etwas frustrierend sein, wenn sich Kommentare und Zugriffszahlen lange Zeit auf eher niedrigem Pegel bewegen. Dranbleiben! Denn mit der Zeit wächst auch der eigene Appetit – und das kommt rüber!

Ein Blog lohnt sich allemal mehr als die 100. Anzeige im Wochenblatt

  • Der Dialog mit den Zielgruppen ist ungleich lebendiger als er auf einer statischen Website sein könnte.
  • Die Netz-Sichtbarkeit wird deutlich erhöht. Der Faktor Aktualität bringt SEO- und Ranking-Punkte.
  • Auf unaufdringliche Weise werden Produktneuheiten, Entwicklungen, Projekte, Sonderaktionen, Events u.a. mit Charme kommuniziert, die Nachfrage angefacht.
  • Konsumenten stoßen auf das Blog genau dann, wenn sie ein echtes Interesse an den Unternehmensthemen oder Angeboten haben.
  • Die den Blog tragenden Personen -  ob Chef oder Mitarbeiter - werden zu "Corporate Personalitys"- Unternehmensblogs als vertrauensbildende Maßnahme.
  • Gerade für inhabergeführte und Familienunternehmen ist ein Blog eine kostengünstige und zeitgemäße Art, das Firmenprofil zu einer Marke (auch beim Mitarbeiter und im lokalen Umfeld) zu schärfen. PR begin at home!

Übrigens - Sich helfen lassen ist keine Schande J

Natürlich – ein wenig Unterstützung, gerade in der Anfangsphase muss sein. Durch Profis. Die beraten zu Konzept, Aufbau, Einrichtung, Themenplanung, Bildbearbeitung, sprachlicher Gestaltung. Die übernehmen auf Wunsch auch während der Blog-Laufzeit das Content Management – soll heißen: erstellen in Abstimmung mit dem Unternehmen Blogposts, die in Tonalität und Sprachduktus den Unternehmensstil spiegeln. Denn eines ist klar: Der Blogauftritt muss mit den anderen Unternehmensäußerungen konform gehen. 

Authentischer und überzeugender – könnte man entgegenhalten – sei es wenn die eigenen Leute für sich selbst sprächen. Sicherlich. Aber ein Textprofi mit Sprachbegabung (muss man das extra erwähnen?- ja, leider schon) kann sich so tief einbringen und einfühlen, dass diese Authentizität nicht verloren geht, gleichzeitig aber Zielgruppen- und SEO-Strategie und Textsicherheit gewährleistet sind.

Nur zu! Wird schon ins Schwarze treffen ;-)


* Hinweis: Der Duden erlaubt beides - der oder das Blog,  der besseren Lesbarkeit wird hier der männliche Artikel verwendet. Oder mal dies, mal das .. ;-)



Samstag, 7. Juni 2014

Ein Stück Bergkäse, Parmesan oder Manchego im Hause? - Alles gut.

1a-Grenadas: Bei Heidi und Alm-Öhi zu Gast: Und noch einmal geht's in die Berge! Bei Käse denkt man unwillkürlich an unberührte Berglandschaften, saftige Weiden und Kuhglockenge...

Bei Heidi und Alm-Öhi zu Gast

Und noch einmal geht's in die Berge!

Bei Käse denkt man unwillkürlich an unberührte Berglandschaften, saftige Weiden und Kuhglockengeläut - der Geschmack der Alpen ist in seinen Alp- und Bergkäsen verewigt. Alpkäse ist der King unter allen - er darf sich nur so nennen, wenn die Milch von den glücklichen Kühen stammt, die sich während des Bergsommers an würzigen Wildkräutern und Almblumen in der reinen Bergluft und bei frischem Quellwasser gütlich tun durften. Und hoch oben auf der Alm muss er auch gekäst worden sein! Was sich unten im Tal zu einem Käselaib formt, hört auf den Namen Bergkäse.

Hier ist der erste Teil der kleinen Käsetrilogie - nein - Quadrilogie "Alles Käse!" Im weiteren Programm nach den Alpenkäsen: Käsiges aus dem Mittelmeerraum und der Ägäis, aus Frankreich, Skandinavien, Benelux, Großbritannien. Exoten kommen zu uns auch aus den USA, aus Asien, dem Balkan und Polen. 

Den kompletten Beitrag lesen Sie auf hier


Historisch gesehen hat Käse einen Bedeutungswandel vom Arme-Leute-Essen zum Leckerbissen erfahren, wie am Beispiel des „Tiroler Graukäses“ ersichtlich. Dieser entsteht aus Magermilch, die als ein Nebenprodukt der Buttergewinnung im Überfluss vorhanden war. Heute ist er eine ursprungsgeschützte Spezialität, die sich gerne in Tiroler Kasnocken wiederfindet oder wie der Bergkäse in Kasnudeln.


Kasnudeln

Wir benötigen:

400 g Mehl, 3 Bio-Eier, Prise Salz, 150 g vorgekochte mehlige Kartoffeln, 300 g gut ausgedrückten Topfen, 2-3 EL Rahm, 50 g fein geriebenen Bergkäse, gehackte Kräuter, Pfeffer, 80 g Butter

Und so geht's:

1 Mehl mit den Eiern, dem Bergkäse und 1 TL Salz zu einem weichen Teig verkneten. 30 Minuten ruhen lassen.

2 Kartoffeln durchpressen und mit Topfen, Rahm, Kräutern, Salz, gehackten Kräutern gut zu einer Füllung verrühren. 

3 Teig auf bemehlter Fläche dünn ausrollen. Runde Kreise von 8-10 cm Durchmesser ausstechen, 1 EL Füllung jeweils auf einen Kreis, umklappen, am Rand festklopfen.

4 Kasnudeln in kochendem Salzwasser ca. 13 Minuten garen, herausnehmen, abtropfen lassen, mit der gebräunten Butter übergießen. Mit Reibkäse und Petersilie bestreuen. 

Heiß genießen!

Dazu passen ein frischer Blattsalat und ein roter Kalterer oder ein weißer Terlaner. 





Mittwoch, 4. Juni 2014

MissWord! empfiehlt heute einen Fröhlich- und Sattmacher aus Südtirol

1a-Grenadas: Mittwochssuppe: Bergbauern-Bohnensuppe aus Südtiro...: Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe! Und zwar eine herzhafte, deftige, die pro Portion locker 500 Kalorien bringt, aber auch lan...

Mittwochssuppe: Bergbauern-Bohnensuppe aus Südtirol

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!

Und zwar eine herzhafte, deftige, die pro Portion locker 500 Kalorien bringt, aber auch lange anhält und bei einem wechselhaften Frühlingswetter gut tut. Feine Kräuter, würziger Speck, sämige Gemüse und aromatischer Käse machen richtig Laune.

Bohnensuppe - nicht nur für Bergbauern!

Wir brauchen für 4 Portionen:
350 g Wachtelbohnen, 125 g Tiroler Speck, 200 g gekochte Bio-Nudeln. Gemüse:  200 g Suppengrün, je 2 Tomaten, rote Zwiebeln,  Knoblauchzehen. Frische Kräuter: Thymian, Salbei, großblättrige Petersilie. 1 EL Olivenöl, Salz, Pfeffer, 50 g Bergkäse, Schuss Terlaner oder Kalterer.

Und so geht's:
1 Vorbereitung: Bohnen über Nacht in kaltes Wasser einlegen. Speck würfeln. Gemüse putzen und klein schneiden. Zwiebeln und Knoblauch hacken. Frische Kräuter waschen, trocken schütteln, Blätter abzupfen bzw. hacken. Dinkelnudeln in Salzwasser kochen.

2 Speckwürfel im Olivenöl anschwitzen. Zwiebeln und Knoblauch zufügen, mitschwitzen. Das gehackte Suppengrün und die gehäuteten Tomatenstücke für einige Minuten mitdünsten.

3 Abgespülte und abgetropfte Bohnen zufügen, die frischen Kräuter dazu und so viel Fleischbrühe (aus dem Glas), dass alles bedeckt ist. Aufkochen und 50-60 Minuten köcheln lassen.

4 Suppe grob pürieren, mit Salz, Pfeffer, ggfs. Paprika, Schuss Terlaner abschmecken. Gekochte Bio-Nudeln (Pennoni, Reggirelli oder Lumaconi) unterheben, alles mit frischer Petersilie und Pfeffer aus der Mühle bestreuen, geriebenen Bergkäse oder ein paar Tropfen fruchtiges Olivenöl nach Gusto. 

Mit knusprigen Vinschgauern und gesalzener Butter wird's zu einer vollständigen Mahlzeit.


Die Küche der Alpen ist geprägt von den verschiedenen Landstrichen und Nationalitäten - ein kleiner Küchenkosmos, der in sich alles trägt was die Natur schenken kann und der sich zwischen bodenständigen Genüssen bewegt, die gerade durch ihre Schlichtheit Noblesse haben. Von Polenta, Strudel, Nocken, Knödel, Krenfleisch, Käseomelett, Hirnsuppe und Zwiebelrostbraten, Lasagne und Risotto zu Zander, Hecht, Karpfen und Krebsen, Kaiserschmarrn und Bozener Buchteln.

In früheren Zeiten waren die Menschen in höheren Gebirgslagen oft von der Zivilisation abgeschnitten - weil die Laune der Natur es so wollte. Vorratshaltung war Überlebensprinzip. Bereits in Sommer  und Herbst sorgte man für den langen Bergwinter vor, pökelte ein, trocknete Schinken und Kräuter, räucherte Würste, legte Gemüse in Essig und Früchte in Sirup, schleuderte Honig und füllte die Getreidekammern. 

So entfaltete sich eine einfallsreiche Küche, die sich mit dem behalf, was vor der Haustür wuchs oder gerade vorhanden war. Blunzen, Grammeln, Grösti, Kukuruz, Schöberl, Spatzln, Kipferl und Kipfler, Milch- und Brotsuppen waren die Basis. Keine schlechte Küchenstrategie, die uns Heutigen angesichts übervoller Lebensmittelregale ein wenig zu denken geben könnte.


* Originalrezept aus: Alpenrezepte, NGV.




Sonntag, 1. Juni 2014

Feuer hat den Menschen zum Mensch gemacht - und zum Storytelling gebracht

1a-Grenadas: Sonntagsthema: Von der Höhle zum Tablet: Geschichten sind das Salz der Erde Ein heimeliges Bild - Mütter, Väter, die abends ihren Kids mit Vorlesen das Zubettgehen schmackhafter...

Sonntagsthema: Von der Höhle zum Tablet

Geschichten sind das Salz der Erde


Ein heimeliges Bild - Mütter, Väter, die abends ihren Kids mit Vorlesen das Zubettgehen schmackhafter machen wollen - wird das überhaupt noch praktiziert? Haben Eltern noch Zeit und Muße dafür, sind Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht längst gesättigt von Fernsehen, Spielkonsole, Kinder-PC und -Tablet? Von SMS, Whatsapp, Hörbuch, Skype, eBook, I-Pod, MP3-Player oder den Werbe- und Markenbotschaften, denen sie in der Straßenbahn, im Auto, ganz nebenbei im Pausenhof ausgesetzt sind?

Das kann man beklagen, muss es aber nicht - denn sich gegen eine Entwicklung zu stemmen, die längst Tatsachen geschaffen hat, bringt nix. Besser sie einfach akzeptieren und darauf achten, dass die Qualität der neuen Kommunikationsformen das ausgleicht, was sie vielleicht an archaisch gültiger Wertigkeit vermissen lassen.

Als Kind habe ich z.B. begeistert Radiowerbung nachgeplappert - die ganze Familie freute sich, wenn ich die biederen Slogans von "Bärenmarke" oder "Burghof Kaffee" von mir gab. Vermutlich hat mich das genauso geprägt wie "Mecki im Schlaraffenland", "Witwe Bolte" oder die sehr frühe Lektüre von Alexandre Dumas' "Graf von Monte Christo". Allesamt anerkannt gute Literatur, jedes auf seine Weise. Soll das also heißen - egal was wir rezipieren - nicht die der Zeit angepasste Form ist entscheidend, sondern der innere Kern, der die Jahrhunderte überdauernde Qualitätsfaktor? - Ja, das soll es. Zumindest aus meiner Warte.


Was trieben Lucy und Luke so am Abend?



Die Menschheitsgeschichte ist lang, man kann heute nur vermuten, wann sich Sprache herausbildete und wann die ersten um ein abendliches Feuer herum saßen und sich gegenseitig mit  Geschichten die Zeit vertrieben. Vielleicht auch um sich gegenseitig Mut zu machen für das unzweifelhaft schwere Dasein. (Aber war ihnen bewusst, dass es schwer war? Sie kannten ja kein anderes

Was ihnen tagsüber widerfuhr, wie die Jagd auf den Mammut endete, ob sich die Beute sicher nachhause bringen ließ und wie schön es war, ihn gemeinsam mit der ganzen Rotte auszulegen, zu braten und zu verzehren. Und das jeder satt wurde - ein damals nicht alltäglicher Zustand. Tradiert wurde es mündlich. Entstanden die ersten Höhlenmalereien auch aus einem Drang zu dokumentieren - unbewusst- bewusst - wer weiß das schon..

Moderne Mythen


Im Grunde hat sich daran nichts geändert. In der fiktional-medialen Welt geht es um die Mythen des Alltags, spannend erzählt in immer neuer Ausprägung. Es geht um die Grundbedürfnisse der Menschen, Werte, Gefühle, die immer eine Rolle spielen werden: Liebe, Hass, Zorn, Vertrauen, Neid, Wut, Groll, Rachsucht, Verzweiflung, Trauer .. nicht zu vergessen die Zwischentöne zwischen Rosenrot und Rabenschwarz, Morgenröte und Mitternacht. 

"Die Welt konsumiert heute Filme, Romane, Theater und Fernsehen in solchen Mengen und mit solch einem Heißhunger, dass die Kunst des Erzählens zur Hauptinspirationsquelle der Menschheit geworden ist bei ihrem Versuch, das Chaos zu ordnen und Einblick in das Leben zu gewinnen." Das sagte Robert McKee - einer der Väter des Drehbuchschreibens vor etwa 30 Jahren. Seine Schüler schrieben Filmbücher zu "Pretty Woman", "Truman Show" oder "Philadelphia".

Qualität schlägt Masse


Was für die Fiktion (Film, Roman, Shortstory, Science Fiction u.a.) gilt, hat auch für den Gebrauchtstext Bedeutung. Gebrauchstext verwende ich beileibe nicht abwertend, er bezeichnet Textformate, die als strategisches Kommunikationselement eine gewisse Funktion, ein Ziel haben und eine bestimmte Wirkung erzeugen sollen. Sie sollen (möglichst konkret messbar) etwas verändern. Webtexte, Pressetexte, Magazintexte, Ratgebertexte, Plots und Storyboards für Video und Podcast, Kampagnen, die auf PR-Storytelling (und nicht auf Manipulation) beruhen, sind einer gewissen Kurzlebigkeit unterworfen, denn zu ihren unbestrittenen Vorzügen gehören Aktualität und Novität.  Beides ist rasch verweht.

Sind sie aber inhaltlich stringent, technisch gut gemacht sind, bauen sie auf einer klassischen Dramaturgie auf, die zeitlos und immer gültig ist, Spannung und Empathie erzeugt und riechen sie auch im neuen Gewand nach Leidenschaft und Höhlenfeuer, dann stellt dieses neue Genre, genau wie die archaischen Höhlenmalereien es taten, ein Abbild der Zeit dar, das diese überdauern wird. 

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.