Mittwoch, 15. Juli 2015

Mittwochssuppe: Sonnige Erbensuppe, giftgrün Erbsen, sattrotes Pesto, mit einem Kick Säure


Mittwochssuppe: Giftgrüne Erben, sattrotes Pesto + ein Spritzer Saures


Hülsenfrüchte verbindet man eher mit winterlich-deftigen Eintöpfen. Dass die Aschenputttel-Gemüschen sich auch im Sommer ganz willig in den Suppenteller schmiegen, sollte man kulinarisch nicht unterschätzen. Denn jetzt kullern sie wieder – die frischen Erbsen in der Zuckerschote, die sich gegen einen leichten Druck mit dem Fingernagel und mit einem lustvollen Knacken öffnet. Leider braucht man eine Menge Schoten für vergleichsweise wenige Erbsen – aber nicht nur die herrlich grün-giftige Farbe lohnt die Mühe allemal.


Sonnige Erbsensuppe - Die Wandlungsfähige


Auf Potage St. Germain hört die Erbsensuppe, wenn wir sie mit Butter, Knoblauch und Sahne zubereiten. Mediterran gibt sie sich mit Olivenöl und selbst gemachtem roten Pesto und/oder einem Schuss Balsamico. Deutsch mit kleinen Speckkrüstchen und frischem Bohnenkraut. Griechisch mit Schafskäse und Minze. Sizilianisch mit Lorbeer und Zitrone. Ausprobieren! Jede Variation braucht frische Kräuter (Minze, Thymian) zur wahren Größe. Pfeffern kann man nach Belieben mit frischen weißen oder schwarzen Körnern, mit Chiliringen oder einem Klacks Sambal (gemeinsam mit Zitronengras und Limette gibt sich die Potage dann eine exotische Ausstrahlung).

Wir benötigen:


Für die Suppe: 450 g frische junge gepalte Erbsen (Gewicht geschält!), 2 fein gehackte Schalotten, 450 ml Wasser oder leichte Gemüsebrühe, Meersalz, Pfeffer nach Belieben (s.o.), Butter oder Olivenöl, Balsamico, Sahne oder roten Pesto oder Speckkrüstchen oder Schafskäsewürfel (s.o.), frisches Bohnenkraut, Thymianblättchen und/oder Minzblätter zur Deko

Für das Pesto: 100 g getrocknete, in Öl eingelegte Tomaten, 100 ml bestes Olivenöl, Pfeffer, 1 EL Pinienkerne, 50 g geraspelten Parmesan, Schuss Balsamico

Und so funktioniert die mediterrane Variante:

1 Olivenöl erhitzen, Schalotten darin andünsten, Wasser und Erbsen zufügen, würzen, Knoblauchzehe im Ganzen einlegen, alles aufkochen. Zurückschalten, Erbsen 12-15 Minuten weich köcheln. Knoblauch herausfischen.

2 Suppe fein pürieren, abschmecken. Schuss milden Balsamico für die Bekömmlichkeit einrühren. Mit Kräutern bestreuen.

3 Pesto-Zutaten fein pürieren und abschmecken. Zur Suppe reichen.

Junge, besonders zarte Zuckererbsenschoten kann man übrigen kochen ohne sie vorher aus dem Gehäuse zu pulen. Und dann mit Haut und Haar verzehren! Einfrieren lassen sich frische Erbsen, wenn man sie blanchiert, also nur kurz in kochendem Wasser gart, dann kalt abschreckt und eintütet.

Der unbestrittene Halbgott der Essige – Aceto Balsamico.


Er ist reine Handarbeit. Seine feine, samtige Säure holt er sich aus dem gekochten Most weißer Trauben aus der italienischen Region Emilia. Die Bio-Version kommt ausschließlich aus Bio-Weinreben, verzichtet auf den Zusatz von Essig-Bakterien, Schwefel und Zuckercouleur und ist daher in der Ausbeute rarer und exklusiver. Die Aromenvielfalt lässt sich beschreiben wie bei guten Weinen – er gibt Gemüse- und Obstsalaten die letzte Ölung und macht sich selbst auf einem Dessert wie Panna cotta und frischen Erdbeeren gut. Die Anzahl der Weinblatt-Symbole auf dem Etikett verrät viel über die Süße des Essigs. Sparen sollte man beim Aceto Balsamico nicht. Er dankt es mit langhaltendem Aroma und sparsamen Verbrauch – einige Tropfen genügen.

Unsere Erbsensuppe holt sich von ihm (und den frischen Küchenkräutern) die Bekömmlichkeit, denn vor allem getrocknete Hülsenfrüchte – wer wüsste das nicht – können ganz schön lange und schwer im Magen liegen. Unsere legeren Sommervarianten machen es Ihnen leichter!

Bild: Fotolia.com 72025473

Sonntag, 12. Juli 2015

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: Vielzahl macht noch keine Vielfalt

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: Vielzahl macht noch keine Vielfalt: Hab ich eine eigene Meinung und wenn ja, welche? Und von wem? Die aktuellen (Juli 15) Fusionsgelüste der drei Lokalgr...

Sonntagsthema: Vielzahl macht noch keine Vielfalt



Hab ich eine eigene Meinung und wenn ja, welche? Und von wem?


Die aktuellen Fusionsgelüste der drei Lokalgrößen auf dem Berliner Print-Abo-Markt – auf dem nur noch 250.000 von 3,5 Millionen Einwohnern eine Tageszeitung im Abo lesen – sprechen für sich. Vorerst soll zwar nur das Abo-Geschäft betroffen sein, die Redaktionen bleiben unangetastet, gemeinsam will man neue Abonnenten aus Nicht-Lesern zu einem Lesemarkt schmieden. Redaktionelle Gleichschaltung sei dies noch nicht. Wäre eine solche denn zu befürworten? Ganz sicherlich nicht. Aber wie ist die Echtsituation? Unterscheiden sich Berliner Morgenpost, Tagesspiegel und Berliner Zeitung noch wirklich? Ja, schon, aber die Leser scheinen es nicht zu merken oder nicht wertzuschätzen. Was ist mit der Vielfalt der differenzierten Meinungsbildung passiert?

Willkommen schöne alte, neue Medienwelt 


Im aktuellen Journalismus scheint sich derzeit alles neu zu erfinden, vor allem in den USA, die schon immer Vorreiter in innovativem Journalismus waren. Die freie Auslandskorrespondentin Pauline Tillmann hat eine Vielzahl an Trends ausgemacht: Hyperlokale Blogs (die Lokalzeitungen obsolet machen), Paid Content (ja, doch), Native Advertising, Stiftungs-Journalismus, Datenjournalismus, Mobile Reporting (kann irgendwie jeder), Unternehmen, die ein eigenes Medium werden. Multimedia gehört die ganz nahe Zukunft. Gleichzeitig meldet das Wirtschaftsmagazin BrandEins, dass schreibenden Robotern die Zukunft gehöre (schon jetzt gängige Praxis bei Routineaufgaben wie Sportmeldungen und Börsentickern).

Zur selben Zeit fordert der Medienexperte Bernd Gäbler die Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten auf, die Zahl ihrer Politmagazine einzuschränken, da sie nur noch über wenig politischen Nutzwert verfügten und sich mittlerweile auf Verbraucherthemen konzentrierten.  Die Diskussion von gesellschaftspolitischen Trend oder gar "den Mächtigen unbequem werden?": Beides Fehlanzeige.

Ein buntes Potpourri aus Medienmeinungen in der vergangenen Woche. Wie bringt man das alles zusammen? Vielleicht mit einer grundlegenden Überlegung: Im allgemeinen News-Hype, zeitgleich, gefühlsecht, massenhaft und viral verbreitet, kaum noch gewichtet in Bedeutung, Relevanz oder Konsequenz, in der Konzentration auf Nachrichtenwert und Echtzeit-Novität gerät eine andere Sicht von redaktioneller Pflichtübung aus dem Blickfeld, die mindestens genauso wichtig ist wie der öffentlich-rechtliche Informationsauftrag: Meinungsbildung.

Das ideale Paar: Kaffee & Zeitung

Jemandem die Meinung geigen...


Neben der tatsachenbetonten Nachricht, Meldung, Berichterstattung, dem Nutzen- und Handlungs-Journalismus (Ratgeber, Magazin, Verbraucherthemen) und dem persönlichen Augenschein (Reportage, Interview) hat Qualitätsjournalismus eine weitere wesentliche Funktion: Klar Haltung beziehen in Kommentar, Glosse, Kritik, Wertung und Meinung. Der Leser wünscht sich nicht nur Information und Wissen. Erfahrung ist ihm mindestens genauso wichtig. Nicht ohne Grund sind Meinungsführer wie das Editorial, der Kommentar, der Leitartikel wesentlicher Bestandteil der traditionellen Tagestitel. Oder waren sie es bereits??

Die Tagesmedien scheinen immer unpolitischer zu werden, genauso geht es dem Mann auf der Straße, diskutiert er noch oder schläft er schon? Am sogenannten Stammtisch wird sicherlich noch trefflich über Politik gestritten, im Kabarett nimmt man aber längst bevorzugt Haartracht oder Figur führender Persönlichkeiten aufs Korn. Um die Vielfalt der individuellen Leit-Meinungen, die zur Meinungsbildung des Einzelnen führt, scheint es schlecht bestellt.

Dabei wissen gerade wir Deutschen ziemlich gut, was eine Gleichschaltung von Medien und Meinung bewirken kann. Oldschool scheint es zu, wenn ich bekenne, dass ich mir bereits früh über eine Vielfalt an Medien, zu denen wichtige überregionale Tageszeitungen, polarisierende Wochenmedien, TV-Politik- und Satire-Magazine gehörten, ein differenziertes Bild machte und schlussendlich auch eine eigene Meinung bildete – ob sie nun ausgereift war oder nicht. Das nannte man auch Orientierung. Anderen gab der Glaube Richtung, ich fand sie bei den Medien.

Heute erleben wir Leipziger Einerlei, inszenierte Fotos aus Krisenherden und internationalen Brennpunkten, gestellte Posen von Verhandlungstischen, un-spontane Interviews zwischen ausgestopft wirkenden Partnern, vorproduzierte und abgesprochene Einheits-Kommentare, Moderaten, die über das Knöpfchen im Ohr vom Experten hinter den Kulissen durch die Talkshow gelotst werden.

Erinnern wir uns noch an Nikita Chruschtschow, der mit seinem eigenen Schuh bei der UN-Vollversammlung auf den Tisch hämmerte, um Protest anzuzeigen? An den Kanzler der Einheit (jaa, doch), der einem Diskutanten handgreiflich an den Kragen wollte? An Herbert Wehner, der sich das eine oder andere Mal in der Leidenschaft der Rhetorik schwerwiegend im Wort vergriff aber dennoch keine oder wenige Beleidigungsklagen erhielt? An Willy Brandt, der seine menschlichen Schwächen keineswegs verdeckte? An amerikanische Präsidenten, von denen öffentlich wurde, dass sie ähnlichen Schwächen nachgaben? Oder sie mit Psychopharmaka beschwichtigten? An russische Doppelgänger, die je nach Bedarf für das schwächelnde Unikat eingesetzt wurden? An einen Potentaten aus dem Süden der Republik, der sich nicht scheute, Journalisten als Geschmeiß zu bezeichnen und ein Nachrichtenmagazin durchsuchen ließ?

Das war doch immerhin noch Futter für Intellekt und Gemüt.

Und heute? Was für ein Niedergang. 


Was wir erlebten, war munteres Polittheater. Das beseelte, rüttelte auf, amüsierte, polarisierte. Heute erleben wir Politikverwaltung. Die heutigen (politischen) Medien und Talkshows können gar nicht anders sein als so wie sie von uns wahrgenommen werden. Lahm. Warmduscher fast alle. Ihnen fehlt einfach der Stoff aus dem Politmagazine sind. Die kantigen, grantigen, kolossalen Protagonisten, die als Menschen aus Fleisch und Blut und nicht als Stockpuppen das Theater bespielen. Die Haltung beziehen und nicht nur verlautbaren. Das bisschen Grexit geht ja auch vorbei. Was sollen die armen Kerle in den Politmagazinen machen? Lassen wir sie in Frieden.

Doch woher nehme ich nun meine Meinungen? Sei’s drum – Ich bild' mir einfach meine eigenen. - Dabei fällt mir auf, dass ich heute offenbar das Thema zwar nicht ganz verfehlt, aber wohl nur umrundet habe. Keine Frage: Mir fehlen Vorbilder. Oder ist es einfach zu heiß? – Ach, bilden Sie sich doch Ihre eigene Meinung ;)


Kurz in eigener Sache:
Es gibt wider kürzliche eigene Aussage doch wieder das Sonntagsthema - und vorerst kein "Montag um 9" - Man kann ja mal seine Meinung ändern, oder??



Bild:  Thinkstock by Getty Images, Ingram Publishing

Samstag, 4. Juli 2015

Aufgespießt: Diäten im Kreuzverhör I - Metabolic Balance



Im Sommer besonders gefragt -  der ultimative Weg zur Beachfigur - Ciao Gelato, Pizza e Lasagne!

Immer wieder poppt eine Mode-Diät hoch die endlich, endlich den Königsweg beim Abnehmen bringen soll. In dieser Serie sollen Diäten und Schlankheitsprogramme auf Pro und Contra hinterfragt werden.



Metabolic Balance (mb) – Königsweg der Gewichtsreduzierung oder geniale Geschäftsidee?

Schwer beliebt - Gaumenwonne Pizza!
Die Stoffwechseldiät wurde bei Erscheinen rasch zum Shootingstar unter den Gewichtsmanagement-Programmen. Nach eigenen Angaben hat die von Dr. Wolf Funfack gegründete „Metabolic Balance GmbH“ bisher über 4000 Betreuer ausgebildet, Lizenzen in 30 Länder verkauft und 10 Diät-Ratgeberbücher veröffentlicht. Monatlich 10.000 computergestützte Ernährungspläne halten neue Anwender zu strikter Disziplin an. Gewicht zu verlieren ist ihnen 350-500 Euro wert. Ohne kontinuierliche Beratung, denn diese kostet extra. -  

Was ist dran am Abnehmen mit Metabolic Balance?


Gesundheitsförderung durch Gewichtsreduzierung?

Mehr als den Gewichtsabbau betont der Anbieter die gesundheitsstärkenden Auswirkungen seines  Diätprogramms. Demnach soll Metabolic Balance

  • alle Körperfunktionen harmonisieren
  • den Blutwerte-Status optimieren
  • den Stoffwechsel aktivieren und ausbalancieren
  • Allergien, Migräne, Depression, Hormonstörungen durch den Ausschluss von individuell unverträglichen Lebensmitteln mindern


Auf der Basis einer anfänglichen Bestimmung der Blutwerte definiert ein individueller Speiseplan die jeweils empfehlenswerten Nahrungsmittel in Menge und Kombination. In der Betonung von Eiweiß und hochmolekularen Kohlenhydraten ähnelt mb dabei der Low-Carb-Diät.

Gesundheit stärken und Gewicht verlieren in vier betreuten Phasen

Nach einer zweitägigen „Vorbereitung“ folgen zwei Wochen der „Ernährungsumstellung“ auf eine Kost, deren Kalorienmenge den persönlichen Grundumsatz deckt (was nicht wirklich viel ist). In der „Lockerungsphase“ machen die Teilnehmer eigene Erfahrungen mit naturbelassenen, niedrig-glykämischen Lebensmitteln. Die „Erhaltungsphase“ dient der Stabilisierung und Auswertung. Grundvoraussetzung für alle: Drei Mahlzeiten täglich mit jeweils fünfstündigen Nahrungspausen!

Während zufriedene Anwender von erfolgreicher Gewichtsreduzierung berichten, sehen Ernährungsmediziner, Verbraucherinstitute und Wissenschaftler das „ganzheitliche, individuell auf den Einzelnen zugeschnittene Stoffwechselprogramm“ mit kritischeren Augen. 

Vor allem die fachliche Qualifikation der mb-Lizenznehmer könnte ihrer Meinung nach - trotz Schulung durch den Anbieter -  nicht medizinischen Standards entsprechen.  Welchen Kriterien und Standards die Blutwertbestimmung und -auswertung sowie die folgende Festlegung der jeweiligen Nahrungsmittel folgen, bleibt Betriebsgeheimnis der Metabolic Balance GmbH. Beim Vergleich von Nahrungsmittellisten unterschiedlicher mb-Kunden mache die analoge Zusammensetzung stutzig und lasse eine eher zufällige computergestützte Auswahl vermuten, sagen die Kritiker. 

Dass die empfohlenen Nahrungsmittel im Einkauf häufig heftig zu Buche schlagen, wird von Anwenderseite angeführt.
Lecker, gesund, schlank, aber nicht ganz billig! 


Abnehmen mittels Computer?

Erfolge von mehr als 4-5 Kilogramm Gewichtsverlust innerhalb eines Monats klingen vielversprechend, lassen aber auch einen Jojo-Effekt befürchten. Weder gibt es Anbieterangaben zum medizinischen Hintergrund noch eine fundierte wissenschaftliche Begründung oder Langzeitstudien. Auch ist die geforderte Disziplinierung im (Berufs-)Alltag langfristig mühsam. Eine echte Ernährungsumstellung aber lässt dem Anwender Spielräume.

Dass eine rigide Nahrungs- und Kalorienreduzierung auf den Grundumsatz (also die Kalorienmenge, die wir benötigen, um den Organismus bei Funktion zu halten), verbunden mit vermehrter Frischkost sowie dem Verzicht auf Gewichts-Booster wie Zucker, Alkohol, nicht-komplexen Kohlenhydraten einen Gewichtsverlust herbeiführt, spricht nicht zwingend für die Notwendigkeit eines Metabolic Balance Programms. Der Abnehme-Effekt stellt sich bei einer derartig strengen Diät im Regelfall ganz von selbst ein.

Mein Fazit:

„Essen im Einklang mit dem Körper“ ist ganz zweifellos empfehlenswert. Achtsamkeit und ein intuitives Bauchgefühl lassen sich aber auch ohne mb entwickeln. 

Mittwoch, 1. Juli 2015

Mittwochssuppe: Cooler Dreier: Rettich, Wasabi & Dill

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!

Bei hohen Temperaturen haben wir keine Lust am dampfenden Herd zu schwitzen. Der Magen verlangt nach Frischem, Kühlem, Smarten. Und die Gartengemüse sind gerade jetzt besonders knackig und günstig. Auch die Gartengurke - viel geschmäht als reine Wasserfrucht - macht einen Mittagssnack zu einer coolen Herzenssache. Daher gibt's heute neben der warmen Rettichcrème auch eine eisige Kaltschale. Beide mit frischem Dill. Und einer Dosis Scharfmacher: Wasabi!! Kleine, unaufgeregte Gerichte, die den Mineralienhaushalt stabilisieren. Denn der kann bei Hitzeschweiß schon mal schlapp machen.


Im September ruft wieder die Wiesn

Rettich kennen wir in erster Linie als Radi, den man mit groben Salz und einer Brez'n in Gesellschaft eines Wiesen-Biers verzehrt. Dort kostet der kleine Scharfe schätzungsweise 8 EUR, ohne Brez'n. Mit 12. Ich hoffe, die Wiesen-Wirte lesen das nicht. Wenn's nicht stimmt, erhöhen die flugs die Preise. Da sind die fix. Für die waschechte Wiesen-Maß (was sich Masssss spricht) musste der durstige Wies'nbesucher im letzten Jahr zwischen 9,70 und 10,10 EUR auf den Bierzelt-Tisch legen, heuer werden es bis zu 10,40 EUR. Soll heißen aufgerundet 11. Wer will sich schon den Zorn der braven Wiesenwirtin zuziehen? Könnte sein, dass man dann die Einlasskontrolle, die schärfer ist als bei einem angesagten Club, nicht mehr schafft.

Dafür ist die Maß auch schlecht eingeschenkt. Das erhöht ihren Markenwert um den unverzichtbaren USP. Wären wir nicht enttäuscht, wenn die resche, fesche, resolute Maid immer volle Maßkrüge stemmte? Wäre das noch stimmig mit dem Markenimage? Ich hab leicht lachen - ich geh eh nicht hin! Mein letztes Dirndl hab ich als 8-jährige getragen ... Schade oder gut so - wer weiß das schon?


Crème aus Rettich, Dill und echtem Wasabi


Wir benötigen:

2 Bunde kleine rote Rettiche oder 3 x Radieschen mit Grün, 2 Stangen Frühlingszwiebeln, 1 l Geflügelbrühe, 2 EL gutes Olivenöl, 100 ml Schmand oder Crème fraiche, sehr frische Dillspitzen, frische Wasabi-Knolle aus dem Asia-Laden (alternativ Münchner Senf) oder echtes Wasabi-Pulver, Steinsalz, Pfeffer aus der Mühle

Und so geht's:

1 Lauchstangen, Rettiche mit zartem Blattgrün, Radieschen kleinhacken, in Olivenöl andünsten

2 Heiße Geflügelbrühe angießen, heiß 5 Minuten köcheln. Pürieren, durch ein Sieb streichen.

3 Mit Salz, Pfeffer, mit frisch geriebenem Wasabi (oder Pulver, keine grasgrüne Fake-Paste) abschmecken. Nochmals erhitzen, kurz vor dem Eingießen in tiefe Teller den Rahm einrühren und frische (!) Dillspitzen darüberstreuen.

Wasabi gibt den exotischen Kick. Wer's lieber à la bavaroise mag, könnte mal einen Teelöffel süßen Münchner Senf testen. Wer's kalt mag, lässt abkühlen oder rührt gehackte Eiswürfel unter (was allerdings verdünnend wirkt)


Gurkenkaltschale nach Michel Montignac*


Wir benötigen:

2 feste sehr frische Gartengurken, 1 Knoblauchzehe, knackfrischen Dill, 2 Schalotten, 4-6 EL süße Sahne, 1 EL Estragonessig, grobes Meersalz, frisch geschroteten Pfeffer, Eiswürfel, auch hier macht sich eine Prise vom echten Wasabi (Knolle oder gemahlen) gut. 

Und so geht's:

1 Gurken schälen, längs halbieren, entkernen. Mit grobem Salz bestreuen und die Gurken Wasser ziehen lassen.

2 Geschälten Knoblauch und Schalooten mit den abgetrockneten und nun gestückelten Gurken, Essig und Sahne pürieren. 

2 Mit Salz, Pfeffer, Wasabi würzen, mindestens 1 Stunde kühlen. Mit Dill bestreuen. Falls schnell serviert werden soll, noch mal mit Eiskrümeln durchrühren.


Dill - der Gaumenkitzler

Der feinherb-kitzelige Süße unter den Gartenkräutern liebt Salate, Gurkengemüse, Lachsterrinen und pochierten Fisch. Er darf bei sauren Gurken nicht fehlen und die osteuropäische Küche braucht ihn für ihre deftigen Kohlsuppen, für Brathering, Sauerkrautsalat und eingelegten Karpfen. Schweden mischt ihn in den Heringssalat. Er paart sich gerne mit Kapern. Bei uns wird er viel zu wenig verwendet, vermutlich weil nur der echte Gartendill seinen ganzen Charme entfalten kann. Und der ist eben rar .. Sehr frisch verwenden! Weil er sonst leicht muffig wird. Getrocknet? Nicht wirklich ideal.

Wasabi - die Trüffel der japanischen Küche

Vergessen Sie das, was Sie bisher für Wasabi hielten. Diese froschgrüne Chemiepaste aus Meerrettichpulver, Maisstärke, Senfpulver und den hübschen Farbstoffen Brillantblau und Zitronengelb ist eine Erfindung der Lebensmittellabore. Die echte Knolle ist mint-schwärzlich, ihre Raspeln schmecken feinscharf-süßlich und der Duft ätherischer Öle umschwebt sie. Frisch geriebene Wasabi-Knolle ist rar und kurzlebig, nach 30 Minuten verliert sie ihr Aroma. Der Preis spielt mit: 200 EUR pro Kilo. Ein offenes Gerücht sagt, dass der Gastronomie-Wasabi eine Mischung aus Fertigpulver und Leitungswasser sei. Der gelbe Farbstoff des Kunst-Wasabi ist wegen des Inhaltstoffes Tartrazin für Allergiker nicht ungefährlich.

Michel Montignac

war ein französischer Politik- und Sozialwissenschaftler, der lange Zeit als Manager in der Pharmaindustrie sein Geld verdiente und sich mit seinem (auch genetisch bedingten) Übergewicht nicht abfinden wollte. In den späten 1980er Jahren entwickelt er eine eigene Ernährungstheorie, die rasch Furore machte. Sie sagt aus, dass es nicht darauf ankomme, wie viele Kalorien man sich zuführt, sondern wie man die Nahrungsmittel aussucht und miteinander kombiniert. Montignac gilt als der Vater des glykämischen Index, der - grob gefasst - mit schlechten Kohlenhydraten (Stärke, Bier, Nudeln, Brot, Zucker) ins Gericht geht. Einige Ratgeber und Kochbücher mit sehr französisch betonten, meist leicht nachkochbaren, leider nicht immer kostengünstigen Gerichten sind im Umlauf. "Essen um abzunehmen" lautet die Devise. Allerdings das Richtige, richtig kombiniert zur richtigen Zeit. Mehr eine Lebensweise als eine Diät. Anfangs hart, aber durch die Anfangserfolge sehr motivierend. Sagt man.

* aus: Michel Montignac, Rezepte und Menüs, Artulen Verlag

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