Dienstag, 4. September 2018

Mittwochsthema: "Was bitte? Digitale Transformation?"


Mittwochsthema: „Was bitte? Digitale Transformation??“


Der deutsche Mittelstand verdient eine "Digitale Revolution mit menschlichem Anlitz!"

Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am besten auf Veränderungen reagiert. (Darwin)









Der Schlachtruf Digitale Transformation hat per se schon etwas Disruptives - Ein Begriff wie eine Camouflage. Undurchsichtig, mehr verhüllend als erklärend, ausgesprochen mit einer gewissen Schärfe macht er gruseln – vor allem mittelständische Unternehmen. Sie haben es ständig vor Augen, Sie ahnen, dass sie auf das Pferd aufsteigen sollten, weil es mit Pferdestärken einfach schneller vorwärts geht auf rein analogem Fuß. Doch wenn sie bisher zu Fuß ganz gut unterwegs waren und wenn es das erste Mal ist und das liebe Tier sehr groß  – wer hält ihnen die Steigbügel?

Der Mensch ist von Natur aus träge. Veränderungen liebt er nicht. Ist es nicht doch besser, die bekannten Probleme oder vertrauten Misslichkeiten zu ertragen als sich auf Neuland einzulassen? Und das ist nachvollziehbar. Einmal in einem nestwarmen Kokon eingenistet, scheut er die kalte Außenwelt, in der der Wind schärfer bläst. 

In einem ähnlichen Vermeidungsverhalten verharren Unternehmen, die sich vom digitalen Tsunami bedrängt fühlen und zu etwas genötigt sehen, was sie weder durchblicken noch für bezwingbar halten. Klar, dass sie, die für den Aufbau und die Existenz ihrer Unternehmen Verantwortung tragen, um ihre Autonomie fürchten. Sie haben es mit einer Materie zu tun, die ihnen herzlich fremd – und vielleicht auch egal – ist. Das schürt Trotz und Widerstand statt Neugier und Drive. Keine gute Basis für Change. Schade um verpatzte Chancen.

Labor Mittelstand

Wenn beklagt wird, dass der digitale Fortschritt bei Deutschlands Mittelständlern noch viel zu wenig angekommen sei (was auch ein Stückweit dem mangelhaften Netzausbau geschuldet sein mag), kann dies nicht zur Freude des Mittelständlers sein. In seiner Haut möchte man nicht stecken; er, der sich vielleicht seit Jahrzehnten für ein Familienunternehmen oder eine inhabergeführte Organisation eingesetzt und dabei Freizeit und Familie zurückgestellt hat, stolz auf das blickt, was er geschaffen hat, soll nun alles umkrempeln, gar niederreißen was aufgebaut wurde? (Klar, dass er es etwas schwärzer sieht als es ist.) Da er den Nutzen der digitalen Transformation nur ansatzweise kennt, fürchtet er die Umstellung wie ein Erdbeben. Argumente, die seine Zweifel auflösen, würden helfen, verständlich verpackt in positiver Anmutung. 

Er beschließt, sich herauszuhalten aus einer für ihn undurchsichtigen neuen Welt. Ein vernunftbegabter Mensch will die Konsequenzen seines Handelns, den Nutzen und Mehrwert überblicken können und eigene Entscheidungen treffen und nicht von einer schwer fassbaren Autorität überrollt werden. Zumal er ahnt, dass es nicht nur um eine technologische Aufrüstung geht, sondern um einen grundlegenden strukturellen Wandel in der Unternehmenskultur, der die gewohnten Ordnungsstrategien von Führung, Hierarchie, Steuerung, Organisation, Prozedere, Unternehmensphilosophie, Performance, Teammanagement und Rekrutierung außer Kraft setzen könnte. Fehlende Transparenz kann verheerend wirken.

Der deutsche Mittelstand verdient eine digitale Revolution mit menschlichem Antlitz

Man spricht gerne vom „Rückgrat der Wirtschaft“ – aber wird es wirklich mit Respekt behandelt, nicht zuletzt von den staatlichen Stellen? Wer hierzulande mutig in die Selbstständigkeit geht, sollte auf ein positives Klima aus Wertschätzung und Goodwill treffen. In den USA bedeutet ein Scheitern kein moralisches Aus. Wer dort etwas wagt und dabei nicht reüssiert, fängt einfach neu an. In unserer Kontrollkultur fühlt sich das anders an.

Fachwissen ist gut, Empathie ist besser. Will man den Mittelstand als digitalen Verbündeten gewinnen, ist mehr noch als fachliche Instruktion eine Menge Intuition und Einfühlung gefragt. Information, Aufklärung, komplexe Dinge einfach und anschaulich machen und das Gefühl vermitteln „Wir schaffen das gemeinsam!“ – allesamt Ventile, die Ängste abbauen. Coachs, Berater, Trainer, die ihr IT-Know-how mit einer guten Dosis Psychologie und einem empathischen Blick anreichern, und bereit sind, sich selbst hinter der Aufgabe zurück zunehmen, holen den Unternehmer dort ab, wo er steht. Betreutes Digitalisieren, Anleitung zum Selbstmachen, Digitale Transformation als Baukasten oder als Heimlabor, in dem es knallt, dampft und sprudelt. Und Neues wächst.

Digital-analoge Koexistenz statt feindlicher Übernahme

Wer sagt denn, dass Digitalisierung wehtun muss? Dass sie komplett auf analoge Features verzichten soll? Mensch bleibt Mensch, auch digital. In meinem Portfolio finden sich seit Langem digitale Geschäftsbereiche – Digital Branding, Webcontent, Online Storytelling, E-Book, Online PR. Doch in meinen Businessbeziehungen bleibe ich dezidiert analog. Es gilt das gesprochene Wort! Dialog, Diskurs, die Schwingungen, die zu Schwingen werden. Und offenbar stehe ich mit dieser Haltung nicht allein. Fatal finde ich, dass die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Beziehungsverhalten zu wenig thematisiert und massiv unterschätzt werden. Ab der Grundschule müsste dieses Unterrichtsfach Pflicht sein: Mensch bleiben in einer (voll) digitalisierten Zeit.

Bewusstseinsbildung ist langwierig und nachhaltig. In den Jahrzehnten vor der Jahrhundertwende nahmen öffentliche Entscheider und Institutionen ordentlich bemessene Etats für Informations- und Aufklärungskampagnen in die Hand, etwa zu Gesundheitsthemen wie AIDS und zu gesellschaftlichen Themen wie Ausländerfeindlichkeit (Letzteres hätte heute eine besondere Brisanz). Sie erreichten eine hohe Dichte in der Bevölkerung und schufen ein kritisches, von Selbstverantwortung geprägtes, aufgeklärtes Bewusstsein.

Werden wir heute nur noch verwaltet?


Destabilisiert die seit Jahren bemerkbare Einbetonierung und Ruhigstellung den Einzelnen, die Gesellschaft, das Land, die Demokratie? Intellektueller Diskurs scheint engen Zirkeln vorbehalten zu sein. Vordergründige Marktthemen mit dem Ziel der monetären Bereicherung eines Einzelnen gibt es zuhauf. Eine Sintflut an Events gibt vor sinnstiftend zu sein, bei Licht betrachtet haben sie nicht selten rein plakativen Charakter und das Ziel zu beruhigen und zu beschwichtigen. Immerhin tut sich ja etwas, oder? Vertragen wir noch mehr (geistige) Starre?

Die Gleichmacherei der Sozialen Medien


Muss uns die Digitalisierung ängstigen? - Sicher nicht, wenn wir kritischer und reflektierter Stellung beziehen und das Unsoziale an den Sozialen Medien erkennen, die uns eine Welt vorspielen, die es so nicht gibt und nie gegeben hat. Leben ist Chance und Erfüllung, Risiko und Gefahr – jeder definiert selbst sein eigenes Maß an Digitalisierung. Auch und gerade in der digitalen Transformation von Mittelständlern ein gesunder Grundsatz, wie ich finde.


Tags: Digitale Transformation, Digitalisierung, Empathie, Bewusstseinsbildung

Bildnachweise:vOben + Mitte Stocksnap.io Rawpixel




MissWord! - Sigrid Jo Gruners Alter Ego

Wort. Strategie. Text. Story. Buch. Kommunikation

Sigrid Jo Gruner unterstützt  als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen, Organisationen & Freiberufler, Berater & Coaches bei ihrer Marktpositionierung, mit strategischem Branding und individueller Unternehmenskommunikation. 

Schwerpunkte: 
Strategie- & PR-Beratung, Redaktion & Texttuning, Premiumtext (Web, Magazin, PR), Publikation (E-Book, Whitepaper, Folder), Buchcoaching und Ghostwriting (Sachbuch & Corporate Book für Beratungsprofis und Unternehmen). Eigene Autorenprojekte (narrativ/szenisch). Skills: Interdisziplinäres Denken und Konzipieren, ganzheitlicher Blick, umfassende Betreuung. Digitale Handhabung - analoge Beziehungsgestaltung.

Charakteristika: Leidenschaft, Empathie und Chuzpe und 26-jährige Selbstständigkeit.


Schwerpunktthemen: Alles was Sinn macht, langwirkende Relevanz entwickelt und alle Sinne anspricht. Gesellschaftspolitische Themen und modernes Business, modernes Leben, komplexes B2B, Food, LifeBalance



Sonntag, 2. September 2018

1a-Grenadas - Blog für Kommunikation, Kulinarik, Kurzgeschichte: Aufgespießt: Werden künftig Textroboter das Sagen ...

1a-Grenadas - Blog für Kommunikation, Kulinarik, Kurzgeschichte: Aufgespießt: Werden künftig Textroboter das Sagen ...: Unsere Zeitgenossen in einer digitalen Welt Sprachqualität in einer digitalisierten Welt In einer digitalen Zeit mu...

Aufgespießt: Werden künftig Textroboter das Sagen respektive das Schreiben haben?




Unsere Zeitgenossen in einer digitalen Welt

Sprachqualität in einer digitalisierten Welt


In einer digitalen Zeit muss man mit allem rechnen. Was wir aber in der ersten Euphorie über Smartphone, Messager, Facebook und Chatroom nicht erwartet haben, zeigt sich jetzt als Verflachung und Vermassung von vielem, was uns über die Jahrzehnte/Jahrhunderte lieb und teuer war. Traditionelle Print-Zeitungen kämpfen ums Überleben, Sprachqualität droht zum Begriff zu verkommen, den nur wenige deuten können. Hat die Überflutung an audiovisuellen und digitalen Reizen die Schriftsprache in eine Randposition innerhalb der Marketingkommunikation gedrängt? In der analogen Zeit war vieles erschwerter (Gottlob wusste man dies in Ermangelung eines Vergleichsmaßstabs nicht), im digitalen Change allerdings ist vieles reduzierter.

Hä ? Was babbelst du da?

Sprache ist Veränderungen unterworfen. Jugendsprache gibt es vermutlich seitdem sich die Menschen der Sprache bedienen. Was uns heute in der heranwachsenden Jugend zu Ohren dringt, ist allerdings für Generationen, die noch in einer rein analogen Zeit aufgewachsen sind, recht krude, In den Fünfziger und Sechziger Jahren stellte die damals aufkommende „Halbstarken-Sprache“ eine Provokation dar, heute nimmt sie sich vergleichsweise harmlos aus. „Halbstarke“ benutzten ihren Slang, um wahrgenommen zu werden. Ebenso wie die schwarze Lederjacke und Elvis-Tolle wollten die Jugendlichen Zeichen setzen, um in der auf die junge Generation verkrustet wirkenden Erwachsenenwelt Gehör zu finden.


Cyber-Kommunikation
Heute sitzt das Smartphone mit am Familientisch wie noch vor fünf bis zehn Jahren das Fernsehgerät und Cyber Kommunikation ersetzt vielfach das was Ältere „Gespräch“ oder „Konversation“ nannten. Dass Sprache ein Auslaufmodell sein könnte, hätten sie absurd gefunden. Nicht selten werden Kinder eingeschult, die lediglich über geringe Sprachfertigkeiten verfügen, mit einem Smartphone jedoch gekonnt umzugehen wissen. Kunst, Literatur und Kultur waren immer Seismographen der Zeitströmungen. Während sie in allen Zeitepochen die wichtigsten gesellschaftlichen Entwicklungen spiegelten, lässt sich in den Nuller Jahren eine Fluchtbewegung in die (Alb-)Traumwelten von Fantasy (Harry Potter), Super Heroe-Serien, Märchen- und Trickfilmen, Killer-Games und Gewalt-Videos ausmachen. Vermeidungsverhalten innerhalb einer immer massiver und dichter digitalisierten Welt?

Gehören Schreibende, Autoren, Redakteure, Texthandwerker bald einer aussterbenden Spezies an?

Die digitale Kommunikation entbehrt vieler Signale, die vital sind, soll zwischenmenschliche Beziehung funktionieren: Haptik, Mimik, Tonfall, Körpersprache, Empathie, Pacing, Ausdruck. Ihr Medium heißt "Bits & Bytes". Roboter sind heute in der Lage, Chatrooms zu bespielen, Nachrichtensendungen zu füllen, auf Twitter mittels Fake News Verwirrung (und Schlimmeres) zu stiften und Hate-Storms zu entfachen. Kollege Roboter mag bei Sportnachrichten, die sich rein auf die Ergebnisse konzentrieren, durchaus okay sein. Aber überall dort, wo der Mensch sich emotionale Spiegelung, intuitives Kommunizieren, Meinung, Kommentar, Bedürfnisbefriedigung, Wahrnehmung, Reflexion, Sinngehalt, Subtext wünscht, laufen Robot-Texte ins Leere. Ein Roboter kann mittlerweile Gefühle ausdrücken („Larry ist jetzt sehr traurig!“), empfinden kann er sie nicht und wird dies auch nie tun. Einen Tamagochi zum Liebhaben? Diese Ersatzbefriedigung nannte man früher Selbstbetrug.

Das Revival der Welt der Dinge, Gefühle und Emotionen

Man staunt - es zeigen sich Gegentendenzen – Würfel- und Brettspiele, Familienunterhaltung, Vinyl-Schallplatten, Knetmasse und Ausmalbücher für Erwachsene, stationäre Reisebüros und Tante-Emma-Läden erleben eine Renaissance der Bodenständigkeit und Begreifbarkeit. Verlangsamung mit gleichzeitiger Intensivierung bietet dem atemlosen Tempo auf der Datenautobahn Paroli. Die physische Welt der Dinge setzt Zeichen gegenüber dem Internet der Dinge.

Berechtigte Hoffnung macht sich breit, dass eben doch nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Schließlich sind Menschen doch vernunftbegabte Wesen, oder? Ich fürchte nur, hier hat die Vernunft einen schweren Stand. Es bedarf der Empathie, Emotion und Einfühlung, um zu begreifen, dass alle diese nicht-physischen und - durch die digitale Brille gesehen - scheinbar luxuriösen Unerlässlichkeiten wie Kommunizieren und Schreiben, Gespräch und Diskurs, Kontakt, Nähe und Beziehung die Basis und Essenz unserer menschlichen Existenz darstellen. Gefährden wir sie nicht!


Lesetipp:
Der Berliner Coach und Organisationsberater Thomas Wehrs (www.thwehrs.com) weist auf diese und ähnliche Aspekte in seinem im Juni 2018 erschienenen Sachbuch "Störfall Mensch!" eindringlich hin. 



Tags: digitalisierte Welt, digitale Zeit, Sprachqualität, digitale Kommunikation, Kollege Roboter, Internet der Dinge, Smartphone, Cyber Kommunikation

Bildnachweis:
Foto oben: Pixabay kalhh
Foto Mitte: Pixabay sciencefreak



Sharing ist Caring! Thanks.





MissWord! - Sigrid Jo Gruners Alter Ego

Wort. Strategie. Text. Story. Buch. Kommunikation

Sigrid Jo Gruner unterstützt  als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen, Organisationen & Freiberufler, Berater & Coaches bei ihrer Marktpositionierung, mit strategischem Branding und individueller Unternehmenskommunikation. 

Schwerpunkte: 
Strategie- & PR-Beratung, Redaktion & Texttuning, Premiumtext (Web, Magazin, PR), Publikation (E-Book, Whitepaper, Folder), Buchcoaching und Ghostwriting (Sachbuch & Corporate Book für Beratungsprofis und Unternehmen). Eigene Autorenprojekte (narrativ/szenisch). Skills: Interdisziplinäres Denken und Konzipieren, ganzheitlicher Blick, umfassende Betreuung. Digitale Handhabung - analoge Beziehungsgestaltung.

Charakteristika: Leidenschaft, Empathie und Chuzpe und 26-jährige Selbstständigkeit.

Schwerpunktthemen: Alles was Sinn macht, langwirkende Relevanz entwickelt und alle Sinne anspricht. Gesellschaftspolitische Themen und modernes Business, modernes Leben, komplexes B2B, Food, LifeBalance




Sonntag, 26. August 2018

1a-Grenadas - Blog für Kommunikation, Kulinarik, Kurzgeschichte: Sonntagssuppe: Nach der Suppe kommt die Paella

1a-Grenadas - Blog für Kommunikation, Kulinarik, Kurzgeschichte: Sonntagssuppe: Nach der Suppe kommt die Paella: Heute ist Sonntag, heute gibt's Suppe (zum Auftakt und Magenwärmen) - und danach eine locker-leichte "paella valenciana" (na...

Sonntagssuppe: Nach der Suppe kommt die Paella

Heute ist Sonntag, heute gibt's Suppe (zum Auftakt und Magenwärmen) - und danach eine locker-leichte "paella valenciana" (nach Sabine Paul!)


Und wieder geht es um das noble Gewürz Safran. Dieses göttliche Gewürz haben wir kürzlich zum Star der "Sonntagssuppe" erklärt. Eine ohnehin köstliche Bouillabaisse nach George Sand bekam mit Safran den letzten Schliff. Sie war üppig und reichhaltig und keine Kost für alle Tage. Dafür löffeln wir mit der heutigen Sonntagssuppe eine schlichtere ländliche Variante, die uns aber nicht weniger spanisch vorkommt, denn die Dichterin hatte das Rezept nach einer Südspanienreise mit im Gepäck. Sie ist von der leichtlebigen Art - kein noch so zäher Koch-Verweigerer kann sagen, sie bereite zu viel Aufwand.


Spanische Suppe (wie sie in George Sands Landgut Nohant köchelte)


Wir benötigen:

Eine Tomate kommt nie allein
Bestes, geschmacksneutrales Olivenöl, zwei gehackte Gemüsezwiebeln, zwei dicke, reife, in Achtel geschnittene Fleischtomaten, eine fein gewürfelte Paprika, eine kleine sehr frische Knoblauchzehe, Lorbeerblatt, Nelke, Salz, Pfeffer, Prise Zimt oder 1-2 Safranfäden,geriebene Mandeln.

Und so geht's:

1 Reichlich Olivenöl in einer Kasserolle zum Sieden bringen. Das gehackte und geschnittene Gemüse darin garen lassen, genügend Wasser oder Gemüsefond nachgießen, weiter schmoren lassen bis zu einem Gargrad, der Ihnen gefällt. (Im historischen Rezept ist eine Stunde vermerkt). Kurz vor Garende frischen Oregano zufügen, Lorbeer herausfischen.

2 Auf krossen Brotscheiben anrichten und mit geriebenen Mandeln bestreuen. - Variante: Statt mit Mandeln mit Gruyère bestreuen und im Ofen gratinieren.

Die Käse-Variante aber nur, wenn keine Paella folgt, das wäre einfach schade, mit einer zu mächtigen Vorspeise den Appetit zu killen.


Der kulinarische Stolz Spaniens: Echte Paella valenciana


Denn jetzt geht es zur Königin der spanischen Herde - einem Kulturgut erster Güte, das in seiner langen Geschichte schon viel zu oft missbraucht wurde. Sie bezwingt sogar den spanischen Caballero, der ja dann und wann in Macho-Verruf kommt. Denn an Feiertagen nimmt der Hausherr gerne die Kochlöffel selbst in die Hand - Paella ist (auch) Männersache! Die ursprüngliche Paella, die sich dann über ganz Spanien verbreitet, ist in Valencia zuhause und anders als die angepasste Paella, die wir hierzulande mit Wonne verspeisen, kommt sie in ihrer reinen Form mit Fleisch aus - Huhn, Kaninchen, Ente, Schweinefleisch, Schnecken - dann und wann werden auch Frösche und Aale in ihr gesichtet. In der Marisco-Variante enthält die große Paellera Krustentiere, Calamares und Fisch. Drei Grundzutaten sind immer ein Muss: Reis, Olivenöl, Safran.

Paella hat sich über den Globus verbreitet - auch im kühleren London geht es in der Paella-Pfanne heiß her:



Paella in London


Ein paar Paella Regeln müssen sein

  • Nur so viel Flüssigkeit (Brühe, kein Wasser) zugießen, dass diese während der Garzeit aufgesogen werden kann und verdampft. 
  • Nie rühren - der Reis soll "anbacken" und eine krosse Kruste entwickeln. 
  • Während des Garens die Hitze stufenweise anpassen.
  • Ordentlich Fett zuführen, damit der Geschmack im Mund explodiert.
  • Mindestens zwei Stunden einrechnen - Paciencia!
  • Beste Zutaten verwenden

Warum ziehen uns Gerichte in einer großen Menge - Gulaschsuppe, große Braten, Eintöpfe, Wokgerichte und eben die Riesenpfanne Paella - an? Vermutlich erinnern sich unsere Gene bzw. unsere Geschmacksknospen an die urzeitlichen Ess-Erlebnisse um das Lagerfeuer, wenn alle schmausend ein Gemeinschaftsgefühl entwickelten. 

Apropos: Wussten Sie, dass Sie die Paella-Pfanne auch auf dem Grill zur Weißglut bringen lassen können? Und das geht so: Kohlen anzünden, auf die weiße Ascheschicht auf der Glut warten und wenn der Grill so heiß ist, dass man seine Hand nur wenige Sekunden über der Glut halten kann, kann die Pfanne darauf brutzeln.



Die Grundzutat Reis wird seit dem 8. Jahrhundert rund um Valencia angebaut und zur optimalen Qualität entwickelt. Mehr als 80.000 Reissorten wetteifern weltweit miteinander, aber der passende Reis wird im Lande gewonnen. Nicht jeder Reis wird mit der "Denominacion de origen para el arroz valenciano" zum Ritter geschlagen. Der Reis sollte wenig Eigengeschmack haben, um sich geschmeidig an die Ingredienzien anzupassen. Der Reisanbau in früheren Zeiten war mühselig - von der Ernte über das Ausbreiten und in der Sonne Trocknen bis zur Häutung und Verwendung war ein langer Weg. Heute kommen die runden Paella-Körner maschinell bearbeitet, leuchtend weiß und kieselsteinglatt in den Handel.


Paella-Tipps - nicht nur aus kulinarischer Sicht - von der Fachautorin Sabine Paul 


Dr. Sabine Paul

Dass Gewürze nicht nur Speisen veredeln, sondern auch ureigene segensreiche Wirkungen entfalten, ist für die Molekularbiologin Dr. Sabine Paul längst Fakt. In unserer letzten Sonntagssuppe stellte sie ihr wunderbares Rezept für selbst gemischtes Paella-Gewürz vor, das in ihrem aktuellen Sachbuch "Gehirndoping mit Gewürzen" (2018) die Brücke nach Spanien schlägt. Wer wissen will, wie man echten Safran vom falschen unterscheidet und welche weiteren Gewürze auf unsere Nerven- und Gehirnleistung einwirken, liegt hier ganz richtig. In Ihrem Frankfurter Nerven-Power Akademie zeigt die erfahrene und leidenschaftliche Beraterin, Dozentin, Rednerin und Autorin auch, wie man "mit Genuss den Stress wegessen" kann. 


Sabine Pauls Paella - schnell und einfach schmackhaft 



· Valencianische Paella für 2 Personen: 1 große rote Zwiebel schälen und würfeln, in einer Paella- oder gusseisernen Pfanne anbraten. Fleisch oder Wurst nach Wahl (Huhn, Schwein, Salami, Chorizo) kleinschneiden, zur Zwiebel geben, weiter anbraten. Gemüse nach Wahl (zum Beispiel rote Paprika, grüne Bohnen, Tomaten) putzen, in mundgerechte Stücke schneiden in die Pfanne geben, andünsten. 

    Je einen Teelöffel Paella-Gewürz pro Person in die Pfanne geben, dann eine halbe Tasse Rundkornreis pro Person. Den Reis mit anbraten. Mit der doppelten Menge (1 Tasse pro Person) Fleischbrühe (alternativ: Gemüsebrühe, Wasser, Weißwein) ablöschen, nach Bedarf salzen. Die Herdhitze auf niedrige Temperatur stellen und die Paella ohne weiteres Rühren für ca. 25 Minuten garen. Wenn alle Flüssigkeit aufgesogen ist, auf sehr geringer Herdhitze noch 5-10 Minuten ruhen lassen (je nach Pfanne bildet sich eine dünne Reiskruste am Pfannenboden). 

·    Paella-Gewürz kann auch für andere Reisgerichte, zum Abschmecken von Gemüse, dunklem Fleisch, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchten wie Jakobsmuscheln und Garnelen sowie für Fischsuppen verwendet werden. Auch als mediterranes Grillgewürz ist das Paella-Gewürz gut geeignet
M  Auch eine "Paella Marisco" findet sich in: Sabine Paul: "Gehirndoping mit Gewürzen".

Cava,Cava!

Salude!

Er wird hierzulande noch viel zu wenig beachtet. Der echte Cava, keine Billigplörre, obwohl  sich auch der echte trotz enger Champagner-Verwandtschaft preislich äußerst kulant zeigt. Wie er in Barcelonas Cava-Bars in Gesellschaft von delikaten Tapas bereits am späten Vormittag Furore macht, berichtet mein Artikel "Cava für all!" auf Pregas  aus dem Jahr 2015. Zur Paella gesellt er sich kongenial. Natürlich kann auch ein leichter Rosé oder roter Tempranillo unser kulinarisches Mütchen kühlen - Spanische Weine sind im Aufwind, in einer enormen Vielfalt und von ökonomischer Sorgfalt.

Und zum Dessert? Natillas!


Diese traditionelle, einfache Süßspeise findet sich heute noch in spanischen Restaurants auf dem Lande. Kalt schmeckt sie besonders delikat. 

Man benötigt:

Einige EL Stärkemehl für einen halben Liter Milch, ein EL Rohrohrzucker, 3 Eigelbe, geriebene Mandeln, Zimtpulver oder karamelisierte Mandel-Zuckerkrümel.

Und so geht's:

1 Stärkemehl und Zucker in einen halben Liter Milch verrühren. Drei Eigelbe hineinschlagen und den Topf auf schwacher Temperatur erhitzen. Dabei immer in der gleichen Richtung rühren.

2 Nach dem Kochen mit Zimt bestäuben oder mit in Zucker karamelisierten fein gehackten Mandeln. Mit kandierten Früchten dekorieren.

Appetit bekommen auf mehr Spanien? Mandelsuppe und Churros.

Buen apetito! 


Sharing is caring - thanks!





Tags: Paella, Valencia, Cava, Paella Vanciana, Spanische Suppe, Spanien, Reis, Gewürze, Safran, Mandelsuppe,Churros

Bildnachweise:
Dr. Sabine Paul - Petra Killick, fotografie-killick.de
Tomate Pixabay Devanath
Paella 1 Pixabay  Monica Volpin
Paella 2 Pixabay EstudioWebDoce
Paella 3 Pixabay disepl
Cava





MissWord! - Sigrid Jo Gruners Alter Ego

Wort. Strategie. Text. Story. Buch. Kommunikation

Sigrid Jo Gruner unterstützt  als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen, Organisationen & Freiberufler, Berater & Coaches bei ihrer Marktpositionierung, mit strategischem Branding und individueller Unternehmenskommunikation. 

Schwerpunkte: 
Strategie- & PR-Beratung, Redaktion & Texttuning, Premiumtext (Web, Magazin, PR), Publikation (E-Book, Whitepaper, Folder), Buchcoaching und Ghostwriting (Sachbuch & Corporate Book für Beratungsprofis und Unternehmen). Eigene Autorenprojekte (narrativ/szenisch). Skills: Interdisziplinäres Denken und Konzipieren, ganzheitlicher Blick, umfassende Betreuung. Digitale Handhabung - analoge Beziehungsgestaltung.

Charakteristika: Leidenschaft, Empathie und Chuzpe und 26-jährige Selbstständigkeit.

Schwerpunktthemen: Alles was Sinn macht, langwirkende Relevanz entwickelt und alle Sinne anspricht. Gesellschaftspolitische Themen und modernes Business, modernes Leben, komplexes B2B, Food, LifeBalance