Sonntag, 22. April 2018

Sonntagssuppe: Spargel grün/weiß mit Morcheln in Rahm

Heute ist Sonntag, heute löffeln wir Suppe ..

Die Spargelspitze - Vorwitzig und kess! Zum Anbeißen.


.. und rechtzeitig zum Frühling, wenn das Grün explodiert, Obstbäume weiße Blüten schneien lassen und Hasen sich gegenseitig durch die Felder jagen, sind sie da: die ersten "langen Kerls" der Saison. Spargel, eines der nobelsten Gemüse. Vielleicht auch deshalb, weil sein Frischgenuss strikt saisonal beschränkt ist, die Ernte so mühsam. Bei der heutigen Sonntagssuppe ergänzen wir seine Nobilität mit frischen Morcheln, die - leider als Rarität - im April und Mai den Gaumen kitzeln (Alternative: getrocknete Morcheln, die erst eingeweicht werden müssen) und vergessen auch einen tüchtigen Schuss fruchtigen Grauburgunder nicht. 

Je nach Lust und Laune kann diese Suppe auch zu einem Spargel-Morchel-Frikassee verdichtet werden, zu dem zarte neue Kartoffeln oder schwarze Linsen munden. Suppen-Spargel muss nicht der feinste sein, kleine Krümmungen und Länge sind Nebensache. Hauptsache: top-frisch. Falls Sie ihn nicht sofort verwenden können, in einem feuchten Handtuch 1-2 Tage kühl aufbewahren. Grüner Spargel schmeckt kräftiger, exotischer, kerniger und muss nur minimal geschält werden. Wer es lieber einheitlich mag, verwendet nur weiß oder nur grün. A la bonheur!

Spargel grün/weiß mit Morcheln in Rahm


Wir benötigen:

1 kg Stangenspargel weiß/grün gemischt, in möglichst einheitlicher Stangendicke, gewaschen, geschält, von den unteren Enden befreit, Prise Zucker, Salz, Butter, Spargelbrühe, 250 g frische Morcheln, 2 Schalotten, 10 g Mehl, Pfeffer, 1/4 l Schlagsahne, Zitronensaft oder besser Bio-Zitronenabrieb, 1 Bund glatte Petersilie, wenig rosa Pfeffer, 2 Eigelb, 1 cl trockenen Weißwein oder Wermut Noilly Prat (nach Geschmack), Prise Kurkuma, wer's mag.

Und so geht's:

1 Spargelschalen in Wasser auskochen und als Brühe zurückstellen. Spargel in Stücke brechen und in Butter sanft andünsten, mit Salz und Zucker würzen, etwas Brühe angießen, kurz aufkochen. 

2 Gehackte Schalotten in Butter dünsten, gut gewaschene Morcheln zufügen und garen. Mit Mehl bestäuben, mit Weißwein und Zitronenabrieb ergänzen, mit Salz, Pfeffer würzen, mit der Spargelbrühe aufgießen, kurz aufkochen und reduzieren. 

3 Eigelbe in etwas Flüssigkeit und Schlagsahne verquirlen und in die Morcheln einmontieren. Spargelstücke zufügen und kurz aufwallen lassen. Abschmecken. Mit fein gehackter Petersilie und wenig geschrotetem rosa Pfeffer (des farblichen Kontrastes wegen) bestreuen.

4 Wer es als Frikassee verwenden will, reduziert die Menge der Brühe und gibt gekochte Eierviertel dazu (falls Sie auf dem Markt  oder beim Traiteur Gänseeier sehen, zugreifen!). Auch milder Ziegenfrischkäse passt vorzüglich. Mit krossem Roggen-Baguette, schwarzen Linsen oder Butterkartöffelchen kombiniert, ein vorzügliches Abendessen. - Ein klassisches Gericht, wie es schon unsere Großeltern löffelten.



Noblesse oblige! 


Seine Heimat liegt in den sandigen Meeresdünen und Flusstälern Vorderasiens, von dort bereiste er Europa und Afrika. Auch Nofretete soll ihn verzehrt haben. Die eroberungssüchtigen Römer brachten ihn im Reisegepäck mit nach Germanien. Im vierten nachchristlichen Jahrhundert musste Kaiser Diokletian eine Spargel-Höchstpreisverordnung einführen, so enorm war die Nachfrage nach oben geklettert. Man soll gar Spargel aus dem kalten Obergermanien importiert haben, um den exorbitanten Appetit der Römer nach diesem langstieligen Gemüse, das auch als entwässernde und neutralisierende Heilpflanze verehrt wurde, zu befriedigen. 

Besonders zu Fischgerichten ließen sich die wegen ihrer Genusssucht gerne als dekadent verschrieenen "Alten Römer" ihren Spargel schmecken. Auch heute begleitet er kongenial Lachstartar, geräucherte Forelle, pochierten Zander, Jakobsmuscheln, Shrimps und - wen würde es wundern - Languste. Eine erotische Wirkung wird ihm nachgesagt, nicht nur weil sein Wuchs Assoziationen weckt. Wie auch immer - er schmeckt einfach göttlich. 

Wer nicht erst auf den Sonntag warten will, genießt Spargel wochentags (dann ist er eh kostengünstiger!) auf einem feinen Kräuteromelett, Speckpfannkuchen, mit Parmesanspänen und Makkaroni oder als schwarzes Spargelrisotto mit frischen zarten Erbsen und einem Schuss Trüffelöl. 

Auch was Feines: Clam Chowder  oder Badische Lachsforellensuppe! Sie haben die Wahl ..




Tags: Spargel, grüner Spargel, Spargelsuppe


Bildnachweis: 
Quelle: alle Pixabay
Bild oben: Spargelfeld:Beeki
Bild Mitte: weißer Spargel: Ingaklas
Bild unten:grüner Spargel: brittaneu





MissWord! - Sigrid Jo Gruners Alter Ego

Wort.Kommunikation. Strategie. Text. Buch.

Sigrid Jo Gruner unterstützt  als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen, Freiberufler, Berater & Coaches bei Marktpositionierung, Branding und Unternehmenskommunikation. 

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Strategie- & PR-Beratung, Redaktion & Texttuning, Premiumtext (Web, Magazin, PR), Publikation (E-Book, Whitepaper, Folder), Buchcoaching und Ghostwriting (Sachbuch & Corporate Book für Beratungsprofis und Unternehmen). Eigene Autorenprojekte (narrativ/szenisch)

Charakteristika: Leidenschaft, Empathie und Chuzpe und 25-jährige Selbstständigkeit.

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