Sonntag, 26. Januar 2014

Sonntagsthema: Stehaufmännchen oder Schlappmacher?

Wann haben Sie Ihre letzte Katastrophe erlebt?

Katastrophen generieren Opfer. Opfer erleben Traumatisierungen oder Blockaden. Einige mehr, andere weniger. Einige können sie nie mehr abstreifen, andere  leben nach einer gewissen Verarbeitungsphase wieder wie vorher. Es muss kein Schiffsuntergang oder Eisenbahnzusammenstoß, Sprengstoffattentat, Bürgerkrieg oder Geiselnahme sein - das Leben hat eine Menge weniger dramatischer Ereignisse für uns parat, die lange und stark nachwirken können. Trennungen, Scheidungen, Verluste, berufliches Scheitern, Mobbing .. allesamt mittlere bis gewaltige Erdstöße für die Seele. 

Warum stehen die einen rasch wieder auf, wenn sie k.o. geschlagen wurden? Manche nur mit Mühe und andere wiederum bleiben liegen?

Der Begriff Resilienz hat Konjunktur. In stark fordernden Zeiten (aber welche Zeit war das nicht?) und bei einem solch hohen Veränderungstempo ist Widerstandskraft im persönlichen, beruflichen und sozial-gesellschaftlichen Kontext ein guter Puffer für Seele und Körper. Resilienz kann man entwickeln, stärken und trainieren. 

Starke emotionale Rückhalte in der Kindheit zu wenigstens einem erwachsenen Vorbild (muss nicht zwangsläufig ein Elternteil sein), das ein aktives selbstbestimmtes Leben vorlebte, fördern Widerstandskraft. Die frühe Übernahme von Verantwortung tut ein weiteres. Veranlagungen wie Intelligenz, Empathie, abstraktes Denkvermögen, Reflexionsfähigkeit sind vorteilhaft.

"Warum ich? Warum passiert das gerade mir?" 

Ganz falscher Ansatz. Das bedeutet Verharren in der Opferrolle. Und die ist keinem zu wünschen!

Als Erwachsener sind eine positive Sicht auf das Leben, die Bereitschaft zu Wechsel und Veränderung und die Gelassenheit, mit Wechselfällen umzugehen ein starkes Konto für Resilienz. Missliche Lebenssituationen annehmen zu können anstatt dagegen anzukämpfen und die Bereitschaft, der jeweiligen Lebenssituation einen Sinn abzuringen, auch. Resiliente Menschen suchen aktiv nach Lösungen aus der Bredouille. Schuldzuweisungen gehen sie aus dem Weg, sie sehen auch ihren Anteil an der Krise und suchen Menschen, die mit Rat und Tat weiterhelfen. Sie outen sich auch mal als hilfsbedürftig und nehmen Hilfe an. Und sie erleben: Das macht sie nicht schwächer, sondern stärker.

Was uns stark macht

Offenbar sind Gelassenheit, Hartnäckigkeit, Mut zur Veränderung und die Kraft, Ziele im Blick zu behalten beste Voraussetzungen, nach Krisen rasch wieder auf die Beine zu kommen. Denn Krisen - ach ja, ein Gemeinplatz - sind tatsächlich Chancen. Resiliente Menschen sehen im Schlechten auch den Keim des Guten. Sie gehen öfters mal nach innen und sortieren ihre Gefühle. Gleichzeitig wissen sie, das sie in der Lebenshektik sich selbst und ihre Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren dürfen. Daher sorgen sie gut für sich selbst und warten nicht darauf, bis dies jemand anderes für sie tut. Dazu gehören auch Bewegung, Entspannung, Erholung Auszeiten, Ruhephasen, den Brunnen füllen, Gefühle ausleben, die kleinen grauen Zellen aktivieren.

Dranbleiben - aber möglichst entspannt und mit einem inneren Wissen, das uns mit Instinkt und Intuition jeden Tag ein Stückchen weiterbringt. Das macht stark, auch wenn wir verletzlich bleiben. Je früher man diese Erkenntnis verinnerlicht, desto besser.


Mehr dazu?

hier zum Beispiel:


http://www.heiterundgelassen.de/2010/12/resilienz-8-faktoren-seelischer-widerstandskraft-in-schwierigen-zeiten/

http://www.stehaufmenschen.de/stehauf-menschen.html