Donnerstag, 9. Februar 2017

Aufgespießt: Webdesign - Farbe bekennen? Na klar!




Gastbeitrag von Grafikdesigner Moritz Dunkel


Hier ein bisschen rot, da ein bisschen grün und schwarze Schrift auf schwarzen Hintergrund. Perfekte Farbkombi! Oder doch nicht? Eher non-perfekt.

Der Kölner Web-Developer und Mediendesigner Moritz Dunkel ist Experte. Er weiß aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, wie Farben sinnvoll einzusetzen sind. Ob auf einem Screen oder gedruckt in einer Broschüre: Farben haben ihre Bedeutung und ihre ganz eigenen Assoziationen. Wer diese missachtet, kann 
ganz schnell baden gehen, denn eine Farbe ist eine Farbe ist eine Farbe.


Webdesign: Farbe bekennen – aber richtig!

Farbpsychologie spielt bei der Gestaltung einer Website eine vitale Rolle

90 Sekunden! Diese kurze Zeitspanne reicht aus, um einen ersten Eindruck zu erhalten und zu entscheiden, ob ein Produkt oder eine Webseite einem potenziellen Kunden gefällt. Das Aussehen beziehungsweise die visuelle Erscheinung eines Produktes beeinflusst laut eigener Aussage der größte Teil aller Käufer beim Kauf. Damit bleibt für die anderen Sinne nur wenig Spielraum um eine Kaufentscheidung zu unterstützen. Genauso verhält es sich auch mit Webseiten: mehr als die Hälfte besucht eine Webseite nicht wieder, wenn ihre Optik nicht gefällt.

Zudem werden einzigartige Farben mit einem hohen Wiedererkennungswert verbunden. Das glauben Sie nicht? Denken Sie mal an das T-Mobile Magenta. Sehen Sie die Farbe vor Ihrem geistigen Auge? Gut so. Im Webdesign und bei Unternehmen gilt das Marketing dann als besonders erfolgreich wenn der Konsument und Interessent das Unternehmen bereit an der Farbe erkennt. Gutes Beispiel: Milka! Eine lila Kuh ist eben unschlagbar.

Oberster Grundsatz im Webdesign: Lasst die Farben für euch arbeiten  – und nicht gegen euch!

Die Tatsache, dass Farben uns Menschen unbewusst und bewusst beeinflussen können, ist per se ein alter Hut. Neben den ganz individuellen Farbwahrnehmungen, die auf den verschiedenen Erfahrungen einzelner Individuen beruhen, verbinden Menschen jedoch auch gemeinsame Assoziationen mit Farben – beinahe jeder fühlt etwa in der Farbe Rot Emotion und Liebe.
Im Webdesign macht sich der Grafiker die Farbwahrnehmungen und die damit verbundenen Emotionen zunutze – und regt so die Nutzer einer Webseite zu bestimmten Handlungen an. Ein Unternehmen sollte sich also frühzeitig zu einer Farbe bekennen, die auf seinen Unternehmenskern abgestimmt ist und unternehmensförderliche Eigenschaften aufweist.



Webdesign strategisch: Zielgruppe bestimmen, Markenbranding ermitteln – und erst dann die Farben auswählen


Keine erfolgreiche Marketingstrategie beruht auf der Lieblingsfarbe des CEOs, so viel steht mal fest. Die richtige Farbe kann maßgeblich über den Erfolg eines Unternehmens entscheiden. Ziele und Zielgruppen des Unternehmens sollten daher vor einer Farbwahl genau abgesteckt werden. - Nicht ganz einfach, zugegeben, vor allem aus der internen (parteiischen) Sicht.


Bestimmte Fragestellungen helfen weiter:

  • Welchen Mehrwert und Nutzen bietet meine Dienstleistung oder mein Produkt? 
  • Was ist die Botschaft, die ich den Nutzern meiner Webseite vermitteln möchte? 
  • Möchte ich Aufmerksamkeit erhalten oder lieber verkaufen? 
  • Wie sehen meine Mitbewerber am Markt aus? 
  • Welche Charakteristika spreche ich meinem Unternehmen zu und welche Farbe spiegelt diese wieder?


Die ermittelten Erkenntnisse erleichtern es, mit Hilfe der Farbpsychologie und der Farblehre den adäquaten Farbton zu bestimmen. Dabei helfen die verallgemeinerten Eigenschaften, die einzelnen Farben zugeschrieben werden.




Web-Farben und ihre Wirkung auf den Rezipienten


• Rot

Die Farbe Rot hat eine stimulierende und belebende Wirkung. Ihr werden unter anderem appetit- und lustanregende, emotionale Eigenschaften zugeschrieben. Rot ist die Knaller-Farbe für leidenschaftliche Tänze wie den Tango. Auch der Streaming-Dienst Netflix verwendet Rot. Es beschleunigt den Puls und kann bei übermäßigem Einsatz schnell aufdringlich und nervenaufreibend wirken, daher gehört Augenmaß dazu!


• Gelb

Gelb ist die Farbe des Optimismus und der Jugend. Sie erregt Aufmerksamkeit und vermittelt ein gewisses Maß an Klarheit und Strukturiertheit. Oft wird Gelb mit Fröhlichkeit und Wärme assoziiert. Allerdings kann Gelb bei übertrieben großflächigem Einsatz zu Augen- und Kopfschmerzen führen. Verwendet wird es zum Beispiel von Shell oder von Pizza.de.

• Orange

Aufregung, Wärme und Energie – Orange ist eine kraftvolle Farbe. Sie steht für Kreativität und Selbstbewusstsein. Der Farbe Orange wird nachgesagt, dass sie zu Impulshandlungen und Spontankäufen anregt, daher wird sie besonders häufig für Call-to-action Buttons verwendet. Bei Amazon findet man Orange jedoch auch als Akzentfarbe. Ebenso wie Rot kann zu viel Orange Aggressionen provozieren.

• Blau

Blau gilt als seriöse und friedliche Farbe und wird deshalb oft von Banken, Versicherungen und Beratungsunternehmen  als Grundfarbe bevorzugt. Sie wird als ausgeglichen, ruhig, vertrauenerweckend und produktivitätsfördernd wahrgenommen. Auf die Farbe Blau setzen unter anderem auch Facebook, Skype und American Express.

• Grün

Häufig verwenden naturverbundene Unternehmen die Farbe Grün, um auf ihr Umweltbewusstsein hinzuweisen. Starbucks und bp sind dafür Musterbeispiele. Assoziiert wird die Farbe Grün mit Gesundheit, Reichtum, Wachstum und Natur. Grün vermittelt oft den Eindruck einer optimistischen, schönen Zukunft. Bioprodukte nutzen Grün gern als Erkennungsfarbe.

• Lila

Früher Herrschern (und Priestern) vorbehalten, stellt Lila auch heute noch die Farbe der Extravaganz, des Reichtums und der Weisheit dar. Im Mediendesign wird diese Farbe vor allem von Beauty- und Wellnessmarken präferiert. Auch yahoo! bedient sich der positiven Assoziationen der Farbe Lila.

• Schwarz

Die Wirkung von Schwarz hängt stark vom Einsatz der weiteren Farben der Webseite ab. In Kombination mit Weiß wirkt Schwarz perfektionistisch, elegant, autoritär und luxuriös. Zeitlosen Webseiten stehen diese beiden Farben besonders. Beispiele hierfür wären Bose, Nike und Montblanc. Bei einem übermäßigen Einsatz von Schwarz oder in der Kombination mit Rot kann die Farbe auch nervös machen oder zu negativ konnotierten Emotionen wie Angst oder Wut führen.

• Weiß

Reinheit, Simplizität und Aufgeräumtheit – die Farbe Weiß gilt als die unschuldigste Farbe von allen. Sie eignet sich hervorragend als Hintergrundfarbe im Webdesign - ein wunderbarer Untergrund auf dem andere Farben starke bis spektakuläre Akzente setzen können.




Webdesign & die Grundsätze der Farblehre


Beachten Sie vor allem diese Regel:
Zu viele unterschiedliche Farben wirken überladen, aufdringlich und schrecken Nutzer schnell vom erneuten Besuch einer Webseite ab. Maximal 2-3 Farben sollten auf einer Webseite eine tragende Rolle spielen. Sorgfältig gewählt und vorteilhaft eingesetzt, können sie dem Nutzer unterschwellig einen ersten Eindruck des Unternehmens vermitteln, bevor dieser auch nur ein einziges Wort des Contents bewusst erfasst hat.

Aktuell erleben matte Farben und knallige Retro-Farben ein Comeback – pastellige Töne in Mintgrün, Zartblau oder Baby-rosa sind ebenso beliebt wie Türkis oder Ockergelb. Um dem Nutzer lange im Gedächtnis zu bleiben gibt es verschiedene Möglichkeiten unterschiedliche Farben miteinander zu kombinieren und aufeinander abzustimmen.

Marken lassen sich in 5 „Brand Personalities“ einteilen:


• Aufrichtigkeit

Passende Eigenschaften: Kleinstädtisch, aufrichtig, familienorientiert, ehrlich, original, traditionell, sentimental, freundlich. Passende Farbe: Blau

• Aufregung

Passende Eigenschaften: Gewagt, trendy, aufregend, cool, jung, hipp, einzigartig, up-to-date, unabhängig. Passende Farbe: Pink

• Kompetenz

Passende Eigenschaften: Vertrauenerweckend, sicher, intelligent, technisch, erfolgreich, selbstbewusst. Passende Farbe: Grün

• Raffinesse

Passende Eigenschaften: Höherklassig, glamourös, gutaussehend, charmant, feminin, sanft, fein, edel. Passende Farbe: Lila

• Robustheit

Passende Eigenschaften: Freiheitsliebend, aktiv, maskulin, stark, cool, robust, outdoor- und erlebnisorientiert. Passende Farbe: Gelb



Lassen Sie Farben für Sie sprechen




Und nutzen Sie das Wissen eines Webdesign-Profis. Er weiß wie clever Farben darin sind,  die geeigneten Zielgruppen anzusprechen und die Werte des Unternehmens auf der unbewussten Ebene zu transportieren. Soll Webdesign seinen Sinn und Zweck erfüllen, sollte es auf der Lehre der Farbpsychologie aufbauen und sich deren Vorteile und positive Assoziationen zunutze machen.


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Moritz Dunkel, Kölner Grafikdesigner, Web-Entwickler & Mediengestalter agiert seit über 15 Jahren unter DNKL.DSGN. als Mediendesigner mit Einhorn-Magie – medienübergreifend und ergebnisorientiert. Ob Gestaltungskonzept, Logodesign, Corporate Design oder Webauftritt: Moritz Dunkel Grafikdesign verleiht scharfe Konturen.

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Tags: Webdesign, Mediengestaltung, Farbwirkung, Web-Entwicklung

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Bildquellen:

Newspaper: unsplash.com / Alice Donovan Rouse

Bike: unsplash.com / Peter Hershey

Umbrella: unsplash.com / Alejandro Garrido Navarro