Dienstag, 4. September 2018

Mittwochsthema: "Was bitte? Digitale Transformation?"


Mittwochsthema: „Was bitte? Digitale Transformation??“


Der deutsche Mittelstand verdient eine "Digitale Revolution mit menschlichem Anlitz!"

Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am besten auf Veränderungen reagiert. (Darwin)









Der Schlachtruf Digitale Transformation hat per se schon etwas Disruptives - Ein Begriff wie eine Camouflage. Undurchsichtig, mehr verhüllend als erklärend, ausgesprochen mit einer gewissen Schärfe macht er gruseln – vor allem mittelständische Unternehmen. Sie haben es ständig vor Augen, Sie ahnen, dass sie auf das Pferd aufsteigen sollten, weil es mit Pferdestärken einfach schneller vorwärts geht auf rein analogem Fuß. Doch wenn sie bisher zu Fuß ganz gut unterwegs waren und wenn es das erste Mal ist und das liebe Tier sehr groß  – wer hält ihnen die Steigbügel?

Der Mensch ist von Natur aus träge. Veränderungen liebt er nicht. Ist es nicht doch besser, die bekannten Probleme oder vertrauten Misslichkeiten zu ertragen als sich auf Neuland einzulassen? Und das ist nachvollziehbar. Einmal in einem nestwarmen Kokon eingenistet, scheut er die kalte Außenwelt, in der der Wind schärfer bläst. 

In einem ähnlichen Vermeidungsverhalten verharren Unternehmen, die sich vom digitalen Tsunami bedrängt fühlen und zu etwas genötigt sehen, was sie weder durchblicken noch für bezwingbar halten. Klar, dass sie, die für den Aufbau und die Existenz ihrer Unternehmen Verantwortung tragen, um ihre Autonomie fürchten. Sie haben es mit einer Materie zu tun, die ihnen herzlich fremd – und vielleicht auch egal – ist. Das schürt Trotz und Widerstand statt Neugier und Drive. Keine gute Basis für Change. Schade um verpatzte Chancen.

Labor Mittelstand

Wenn beklagt wird, dass der digitale Fortschritt bei Deutschlands Mittelständlern noch viel zu wenig angekommen sei (was auch ein Stückweit dem mangelhaften Netzausbau geschuldet sein mag), kann dies nicht zur Freude des Mittelständlers sein. In seiner Haut möchte man nicht stecken; er, der sich vielleicht seit Jahrzehnten für ein Familienunternehmen oder eine inhabergeführte Organisation eingesetzt und dabei Freizeit und Familie zurückgestellt hat, stolz auf das blickt, was er geschaffen hat, soll nun alles umkrempeln, gar niederreißen was aufgebaut wurde? (Klar, dass er es etwas schwärzer sieht als es ist.) Da er den Nutzen der digitalen Transformation nur ansatzweise kennt, fürchtet er die Umstellung wie ein Erdbeben. Argumente, die seine Zweifel auflösen, würden helfen, verständlich verpackt in positiver Anmutung. 

Er beschließt, sich herauszuhalten aus einer für ihn undurchsichtigen neuen Welt. Ein vernunftbegabter Mensch will die Konsequenzen seines Handelns, den Nutzen und Mehrwert überblicken können und eigene Entscheidungen treffen und nicht von einer schwer fassbaren Autorität überrollt werden. Zumal er ahnt, dass es nicht nur um eine technologische Aufrüstung geht, sondern um einen grundlegenden strukturellen Wandel in der Unternehmenskultur, der die gewohnten Ordnungsstrategien von Führung, Hierarchie, Steuerung, Organisation, Prozedere, Unternehmensphilosophie, Performance, Teammanagement und Rekrutierung außer Kraft setzen könnte. Fehlende Transparenz kann verheerend wirken.

Der deutsche Mittelstand verdient eine digitale Revolution mit menschlichem Antlitz

Man spricht gerne vom „Rückgrat der Wirtschaft“ – aber wird es wirklich mit Respekt behandelt, nicht zuletzt von den staatlichen Stellen? Wer hierzulande mutig in die Selbstständigkeit geht, sollte auf ein positives Klima aus Wertschätzung und Goodwill treffen. In den USA bedeutet ein Scheitern kein moralisches Aus. Wer dort etwas wagt und dabei nicht reüssiert, fängt einfach neu an. In unserer Kontrollkultur fühlt sich das anders an.

Fachwissen ist gut, Empathie ist besser. Will man den Mittelstand als digitalen Verbündeten gewinnen, ist mehr noch als fachliche Instruktion eine Menge Intuition und Einfühlung gefragt. Information, Aufklärung, komplexe Dinge einfach und anschaulich machen und das Gefühl vermitteln „Wir schaffen das gemeinsam!“ – allesamt Ventile, die Ängste abbauen. Coachs, Berater, Trainer, die ihr IT-Know-how mit einer guten Dosis Psychologie und einem empathischen Blick anreichern, und bereit sind, sich selbst hinter der Aufgabe zurück zunehmen, holen den Unternehmer dort ab, wo er steht. Betreutes Digitalisieren, Anleitung zum Selbstmachen, Digitale Transformation als Baukasten oder als Heimlabor, in dem es knallt, dampft und sprudelt. Und Neues wächst.

Digital-analoge Koexistenz statt feindlicher Übernahme

Wer sagt denn, dass Digitalisierung wehtun muss? Dass sie komplett auf analoge Features verzichten soll? Mensch bleibt Mensch, auch digital. In meinem Portfolio finden sich seit Langem digitale Geschäftsbereiche – Digital Branding, Webcontent, Online Storytelling, E-Book, Online PR. Doch in meinen Businessbeziehungen bleibe ich dezidiert analog. Es gilt das gesprochene Wort! Dialog, Diskurs, die Schwingungen, die zu Schwingen werden. Und offenbar stehe ich mit dieser Haltung nicht allein. Fatal finde ich, dass die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Beziehungsverhalten zu wenig thematisiert und massiv unterschätzt werden. Ab der Grundschule müsste dieses Unterrichtsfach Pflicht sein: Mensch bleiben in einer (voll) digitalisierten Zeit.

Bewusstseinsbildung ist langwierig und nachhaltig. In den Jahrzehnten vor der Jahrhundertwende nahmen öffentliche Entscheider und Institutionen ordentlich bemessene Etats für Informations- und Aufklärungskampagnen in die Hand, etwa zu Gesundheitsthemen wie AIDS und zu gesellschaftlichen Themen wie Ausländerfeindlichkeit (Letzteres hätte heute eine besondere Brisanz). Sie erreichten eine hohe Dichte in der Bevölkerung und schufen ein kritisches, von Selbstverantwortung geprägtes, aufgeklärtes Bewusstsein.

Werden wir heute nur noch verwaltet?


Destabilisiert die seit Jahren bemerkbare Einbetonierung und Ruhigstellung den Einzelnen, die Gesellschaft, das Land, die Demokratie? Intellektueller Diskurs scheint engen Zirkeln vorbehalten zu sein. Vordergründige Marktthemen mit dem Ziel der monetären Bereicherung eines Einzelnen gibt es zuhauf. Eine Sintflut an Events gibt vor sinnstiftend zu sein, bei Licht betrachtet haben sie nicht selten rein plakativen Charakter und das Ziel zu beruhigen und zu beschwichtigen. Immerhin tut sich ja etwas, oder? Vertragen wir noch mehr (geistige) Starre?

Die Gleichmacherei der Sozialen Medien


Muss uns die Digitalisierung ängstigen? - Sicher nicht, wenn wir kritischer und reflektierter Stellung beziehen und das Unsoziale an den Sozialen Medien erkennen, die uns eine Welt vorspielen, die es so nicht gibt und nie gegeben hat. Leben ist Chance und Erfüllung, Risiko und Gefahr – jeder definiert selbst sein eigenes Maß an Digitalisierung. Auch und gerade in der digitalen Transformation von Mittelständlern ein gesunder Grundsatz, wie ich finde.


Tags: Digitale Transformation, Digitalisierung, Empathie, Bewusstseinsbildung

Bildnachweise:vOben + Mitte Stocksnap.io Rawpixel




MissWord! - Sigrid Jo Gruners Alter Ego

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Sigrid Jo Gruner unterstützt  als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen, Organisationen & Freiberufler, Berater & Coaches bei ihrer Marktpositionierung, mit strategischem Branding und individueller Unternehmenskommunikation. 

Schwerpunkte: 
Strategie- & PR-Beratung, Redaktion & Texttuning, Premiumtext (Web, Magazin, PR), Publikation (E-Book, Whitepaper, Folder), Buchcoaching und Ghostwriting (Sachbuch & Corporate Book für Beratungsprofis und Unternehmen). Eigene Autorenprojekte (narrativ/szenisch). Skills: Interdisziplinäres Denken und Konzipieren, ganzheitlicher Blick, umfassende Betreuung. Digitale Handhabung - analoge Beziehungsgestaltung.

Charakteristika: Leidenschaft, Empathie und Chuzpe und 26-jährige Selbstständigkeit.


Schwerpunktthemen: Alles was Sinn macht, langwirkende Relevanz entwickelt und alle Sinne anspricht. Gesellschaftspolitische Themen und modernes Business, modernes Leben, komplexes B2B, Food, LifeBalance