Mittwoch, 17. Juni 2015

Mittwochssuppe: Sexy Gazpacho - vom Erdbeermund geküsst

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!

Bei brütender Hitze knistern nicht nur ausgetrocknete Bäume. Die Kombi Tomate, Paprika, Knoblauch und Erdbeere in diesem kalten Sommersüppchen verführt zu einem Nachschlag. Aber Vorsicht - Erdbeeren gehören wie Spargel, Auster, Vanille, Zimt, Muskat und Kakao zu den Lebensmitteln und Gewürzen, denen man eine luststeigernde Wirkung nachsagt. Natürlich macht's die Menge. Schuld daran sind die Stoffwechsel anregenden Mineralien und euphorisierenden Inhaltsstoffe. Die hohen Vitamin C- und Zinkdosen kitzeln Testosteron hervor und gepaart mit Champagner, Chili und dunkler Bitterschoggi ist für nichts zu garantieren :-)

Sommerlich-cool setzen Südländer Gazpacho meisterlich gegen die Hitze ein. Sizilianer bauen mit einer zitronigen oder beerigen Granità, dieser eiskalten Köstlichkeit aus angefrorenem Fruchtmus und - ja, leider - Zucker, bereits beim Frühstück einen vitaminreichen Hitzeschild auf. Dazu einen Espresso doppio und man kann dem Tag ins Auge schauen.

Auch unsere beerige Gazpacho fächelt einen kühlen Wind um den teutonischen Gaumen. Jahreszeitlich bedingt greifen wir für diese farbenfrohe Granate tief in die saisonal-regionale Grünzeugkiste.

Gazpacho mit Sex-Appeal

Wir benötigen:

500 g reife, süße Erdbeeren, 1 rote Paprika, 1 weiße Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, ein Stück Gartengurke, 2 feste Tomaten. Fruchtiges Olivenöl, hellen und dunklen Balsamico, Steinsalz, rosa Pfeffer, Basilikum, Fladenbrot, etwas Butter. Wer's mag, gibt einen Schuss Gin oder Wodka hinein.

Und so geht's:

1 Erdbeeren stückeln, Gemüse vorbereiten, fein würfeln. Jeweils ein Drittel beiseite stellen. Knoblauchzehe mit etwas Salz im Mörser zerreiben.

2 Alles in einer Schüssel mit Olivenöl, Balsamico, Salz, Pfeffer (Menge nach Geschmack) mischen, gut durchziehen lassen.

3 Die Mischung fein mixen, durch ein Sieb streichen, abschmecken. Ggfs. einen Schuss Gin oder Wodka einrühren. Kalt stellen.

4 Währenddessen das Brot in kleine Stücke reißen und zu knusprigen Butter-Croutons bräunen. Abtropfen lassen. Basilikumblättchen mit Olivenöl zerreiben oder sanft pürieren.

5 Die gut gekühlte Suppe in tiefen Tellern verteilen, mit den Brotwürfeln, dem Basilikumöl und der Garnitur aus Erdbeer- und Gemüsestückchen toppen.

Ein erfrischender Magenöffner, ein klasse Mittagssnack bei 30 Grad im Schatten, eine Leckerei für Zwischendurch oder wenn Gäste zum abendlichen Apéro einfallen.


Keine Beere oder was?

Erdbeeren sind von Haus aus weder Beere noch Frucht, sondern ein Nebenprodukt der Rosengewächse. Botanisch gesehen gehen sie mit dem Fachausdruck "Sammelnussfrucht" ins Rennen. Wilde Walderdbeeren waren - Funden nach - bereits in der Steinzeit beliebt, die heutige Zuchterdbeere verdankt Geschmack und Aussehen einer Zufallskreuzung im Holland des 17. Jahrhunderts. In Österreich heißt sie übrigens Ananas, während die eigentliche Exotin dort auf "Hawaiiananas" hört.


Für Süßmäuler & Freunde des Herzhaften 

Die knallroten Bonbons der Natur machen sich ja nicht nur im Obstsalat oder auf der Torte gut. Pikant schmecken sie gemeinsam mit einer aromatischen Balsamico-Marinade auf Blattsalat, tüchtig gepfeffert über grünem Spargel, feiner Pasta,  gekräutertem Ziegenkäse oder zu kaltem Roastbeef.

Wer mit etwas Jagdglück die geschmacklich exquisiteren Walderdbeeren ergattert, macht aus ihnen mit eiskaltem Cava einen anregenden Sommerdrink, streut sie über einen feinen Amaretto-Milchreis oder verzehrt sie pur wie eine Auster. Mehr Pep in Erdbeereis oder Macaron gibt eine tüchtige Prise grüner oder rosa Pfeffer.


Ach - unsere glücklichen heimischen Wildschweine, die sich an wilden Brombeeren, Eicheln, Kastanien, Wurzeln, würzigen Waldkräutern, Wildspargel und moosigen Pilzen satt futtern können. Shrenk, grunz!




Foto 1: Fotalia #72111905 | Urheber: Subbotina Anna
Foto 2: #83632236 | Urheber: fotoknips