Mittwoch, 12. August 2015

Mittwochssuppe: Aphrodisische Paprika-Safran-Brot-Suppe

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!


Immer noch Hochsommer, wenn auch durchwachsen. Herrliche Gemüschen liegen in den Auslagen. Heute kombinieren wir aromatische rote Bio-Spitzpaprika mit sonnesatten Tomaten, Chili, Pfefferbasilikum. In den Adelsstand erhoben wird dieser leichte Sommersnack durch Safran. Idealerweise löffeln wir diesen sinnlichen Genuss voll Schmackes, wenn die Sonne es wieder richtig gut mit uns meint, im Schatten alter Kastanien, Korkeichen oder Apfelbäume.

Kirschen, Mirabellen und Zwetschgen ploppen neben uns ins trockener werdende Gras und was man im Frühjahr noch munter zwitschern hörte, denkt jetzt bereits über einen Trip über die Alpen nach. Kräuter rascheln im träge auffrischenden Wind und die Heublumen kommen aus ihren Gehäusen. Morgens liegt ein leichter Dunst über der Landschaft, vermählt sich mit dem Geruch der Erde und kündigt das nahende Sterben des Hochsommers an. Aber noch ist es nicht soweit, auch wenn die Abende bereits früher einfallen. Zeit für einen veganen Küchengenuss! Wen die Fleischeslust packt, der gibt Südtiroler Speck oder Serrano dazu!

Verlängert sich das "Picknick im Grünen" mit einer Flasche kühlem Rosé oder Rosé-Cremant, stellt sich vielleicht auch die aphrodisierende Wirkung ein, die man Safran nachsagt. Auf jeden Fall wirkt er stimmungsaufhellend durch einen erhöhten Serotoninspiegel, was ja bereits sehr lustvoll sein kann. Die alten Römer färbten den Brautschleier mit Safran oder streuten seine Fäden über das Brautbett. Aha!


Orientalische Paprika-Brot-Suppe mit aphrodisierenden  Safranfäden


Wir benötigen:

Kostbare Safranfäden - lustvoll und sinnenanrgend
300 g rote Bio-Spitzpaprika, 1 Gemüsezwiebel, 3 Knoblauchzehen, 800 g unterschiedliche und schön reife Tomaten - von Fleisch- bis Kirschtomate, 1 Bio-Zitrone, 5 EL Oliven- oder Pistazienöl, 1 bis 2 EL gutes Tomatenmark oder eingeweichte Trockentomaten, 1 TL Chiliflocken, 1 Gramm Safranfäden, Prise Nelkenpulver, 1 l Gemüsefond oder (nicht-vegan) Hühnerbrühe, 1 Bund Pfefferbasilikum oder Koriander, Salz, Pfeffer. Alternativ: 60 g Südtiroler Speck (o. Serrano) in hauchdünnen Scheiben.  1 knuspriges Ciabatta oder - s.u. - Fladen à la Jamie Oliver - frisch aus dem Ofen.


Und so geht's:

1 Gemüse vorbereiten: Spitzpaprika aushöhlen, stückeln, Knoblauch schälen und fein hacken, Gemüsezwiebel ebenso, Tomaten entstielen, stückeln, Ciabatta in feine Stücke schneiden, Bio-Zitrone waschen und schälen. Safranfäden sanft im Mörser zerreiben oder in Wasser/Milch auflösen. Erst kurz vor Garende zufügen!

2 Paprika, Knoblauch, Zwiebel 3-5 Minuten anschwitzen. 

3 Tomatenmark und Chili-Flöckchen zufügen, 10 Minuten mit der Brühe köcheln lassen. Tomatenstücke, Zitronenschale einrühren, weitere 5 Minuten garen. Zitronenschale herausfischen, Safranfäden darin ziehen lassen, ggfs. Prise Nelken einrühren. Abschmecken.

4 Pfefferbasilikumblätter in Öl rösten und mit dem zerrupften Ciabatta über die Suppe streuen. Sofort servieren!

Falls man die Speck-Variante wählt, wäre Punkt 2: Südtiroler Speckstreifen (oder Serrano) in wenig Öl kross anbraten, darin Paprika, Knoblauch, Zwiebel 3-5 Minuten mitbraten. 



Fladen à la Jamie Oliver 

Wir brauchen:

500 g Mehl, 500 g fettarmen Naturjoghurt, 1 Tl Salz, 1 Tl Backpulver, 1 Tl Sesamsaat oder Mix aus Koriander und Kreuzkümmel

Und so geht's:

1 Mehl, Salz, Backpulver, Sesam mischen, mit dem Joghurt verkneten.

2 Etwa 12 gleich große Kugeln formen und auf einer bemehlten Fläche zu dünnen Fladen ausrollen.

3 Fladen in einer heißen Griffpfanne von beiden Seiten knusprig backen.

Noch warm in Stücke brechen und zur Suppe servieren. Genießt man die Fladen pur, dann in eine Salsa aus Olivenöl, Zitronen- oder Limettensaft, frischen Kräutern, Salz und Pfeffer tunken. Meraviglioso!


Safran - das teuerste Gewürz noch vor der wertvollen Madagaskar-Vanille

Früher gab es einen Kindervers, der mutmaßte, dass "Safran den Kuchen gel (gelb)" mache, was auf eine häufige Verwendung dieser noblen Kostbarkeit hinweist - wenn es sich denn auch um den echten handelte. Heute ist er wegen seiner Hochpreisigkeit nicht mehr so gängig, aber zu Reisgerichten (Risotto Milanese) und Meeresfrüchten (Paella) einfach unschlagbar. Muscheln in Weißwein mit Knoblauch und ein paar Safranfäden benötigen nichts Weiteres außer ein breites Grinsen auf dem Genießergesicht. Auch Huhn oder Lamm gewinnt mit Safran, in Gemeinschaft mit roten Linsen fühlen sich die Blütennarben des "Crocus sativus" ganz besonders wohl.

Das Liliengewächs kommt aus dem persischen und arabischen Raum, klar, dass die Landesküchen von ihm geprägt sind. Bekannt ist seit langem seine gesundheitsfördernde Wirkung (bei Asthma, Gicht und Rheuma, Frauenleiden und Krämpfen) und als Tee getrunken lindert er Magen- und Verdauungsstörungen.

Aber Vorsicht: Bei übermäßigen Verzehr könnten Lachreiz, Schwindel oder Herzklopfen auftreten und im alten Ägypten und Kleinasien verwendete man Safran als Narkotikum und Opiumersatz. Aber einen maßlosen Genuss verhindert schon der Preis. Echter und hochwertiger Safran ist nicht unter 6 Euro (bis 30 Euro) pro Gramm zu haben. Je mehr Zwischenhändler ab der Ernte die Hand im Spiel haben, desto höher der Preis.

Die Kostspieligkeit verwundert nicht, wenn man weiß, dass für ein Kilo Safranfäden 200.000 Blüten geerntet werden müssen. Per Hand. Die besten Stoffe liefert der Iran und das spanische La Mancha Hochland. Safran in Pulverform links liegen lassen, denn es könnte sich um einen Fake (Kurkuma-Mix, Saflor = Färbedistel) handeln.

Da die fantastische persische Küche bei uns noch recht unentdeckt ist, gibt es in der nächsten Folge der "Mittwochssuppe" wieder ein Landesgericht aus Arabien! Mit einem Safran-Dessert als Zugabe. Unbedingt reinschnuppern!



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