Sonntag, 17. Januar 2016

Sonntagsthema: Warum sind Frauen für Mobbing anfälliger ..?




... und zwar sowohl als Täter als auch als Opfer?


Das Klischee von der Ehe zwischen Chef und "Vorzimmerdame" (ganz schlimmer Begriff) hat sich lange gehalten, gestützt durch gängige Praxis. Aber noch immer werden Beziehungen und Lebenspartnerschaften zu einem hohen Prozentsatz am Arbeitsplatz geknüpft. Kein Wunder, verbringen wir doch den größten Teil unseres Lebens im Beruf. In der meist knappen Freizeit von Managern und Führungspersonen, Selbstständigen und Freiberuflern bleibt wenig Raum für Kontaktpflege und weiterführende Beziehungen, zumal das Business auch in das Freizeitverhalten hineinspielt. Einer Weiterbildung oder Tagung wird dann der Vorrang vor dem Privaten gegeben. 

Dann werden auch Freundschaften am Arbeitsplatz geknüpft, die manchmal sogar für’s Leben halten. Oder aber auch nicht, sondern in Feindseligkeit und Mobbing ausarten können. Wie lässt sich das vermeiden?

Freundschaft und Feindschaft am Arbeitsplatz – Risiko oder Chance?

Es ist erwiesen: Mobbingopfer im Arbeitsleben sind zu zwei Drittel weiblich. Ein Grund mag darin liegen, dass Frauen offener mit Problemen im Beruf oder Privatleben umgehen und diese gegenüber vertrauten Kollegen und Kolleginnen auch bereitwilliger äußern als Männer. Frauen erklären sich mit weiblichen Kollegen stärker solidarisch als Männer dies untereinander tun. Diesen liegt eher am mehr oder weniger unverhüllten Wettstreit um die Palme des Besten, um Beförderung und Aufstieg auf der Karriereleiter. 

Frauen brauchen am Arbeitsplatz stärker als männliche Kollegen ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verbundenheit das – vor allem wenn eine Egoschwäche vorliegt - ihre seelische und emotionale Sicherheit stärkt. Frauen hegen nicht selten innere Vorbehalte gegenüber sogenannten Powerfrauen, die selbstbewusst auftreten und sind stärker in Gefahr Neid und Eifersucht zu entwickeln, wenn eine Geschlechtsgenossin Erfolg hat.

Kolleginnen reagieren daher oft harscher als Männer, wenn andere, die eine gleichwertige Arbeit leisten, vor ihren Augen an ihnen vorbeiziehen und befördert werden. Oft reicht schon ein üppiges Lob durch den Vorgesetzten oder eine Bevorzugung aus, um ehemalige Freundschaften abrupt in Feindschaften umschlagen zu lassen. 

Die üble Folge: 

Private Details, die noch während der Freundschaft vertraulich mitgeteilt wurden, werden jetzt im Unternehmen kolportiert oder als Intrigen eingefädelt. Mobbing als Rache aus Missgunst. Das normale Bedürfnis nach Nähe, das Frauen stärker als männliche Kollegen empfinden, erweist sich als Verhängnis, wenn man die Grenzen nicht wahrt. 

Denn:

1              Kollegen sind per se keine Freunde

In der Arbeitswelt muss man nicht geliebt werden. Anerkennung für das, was man tut, ist das größte Lob. Gerade Frauen versuchen aus einem übergroßen Sicherheitsbedürfnis heraus andere emotional für sich zu verpflichten. Das kann verhängnisvoll enden.

2              Hierarchien sind dafür da, dass man sie respektiert

Zwanghafte Verbrüderung bzw. Verschwesterung zwischen Leitungspersönlichkeit und Mitarbeitern entwertet die Position als Führungskraft. Früher oder später fliegt der Schwindel der Gleichmacherei-Klüngelei auf.


3 Eine gesunde Distanz kann Schlimmes verhindern 

      Einblicke in die Privatsphäre oder Klatsch über Kollegen bzw. die Herabsetzung von Vorgesetzten können gegen den, der sie kolportiert, selbst zurückschlagen. Konstellationen und Funktionen im Unternehmen können sich ändern und dann ist manches fatal, was in der Vergangenheit noch positiv erlebt wurde.


Gerade in Führungsetagen wird die Luft dünn. Besonders erfolgreiche Manager hüten sich ein Berufsleben lang, persönliche Kontakte oder gar Freundschaften mit Untergebenen zu knüpfen. Respekt – und um diesen geht es – wird nicht durch hohe Punktwerte auf der Beliebtheitsskala errungen, zumal die Halbwertszeit im Management gering ist, sondern durch Leistung, Haltung, Performance - und einer freundlichen Koexistenz, die Verbrüderung und grenzüberschreitende Kumpelei vermeidet. Das macht vielleicht ein bisschen "einsamer", verhindert aber zündelnde Reibungsflächen.


Tags: Mobbing, Manager, Frauen im Beruf


Bilder: 

Stocksnap: Jannes Glas
Stocksnap: Ricky Kharawala




Buchtipps:
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Mobbing, Führungskräfte, Management, Berufshierarchien, Freundschaft am Arbeitsplatz