Sonntag, 21. Februar 2016

Sonntagsthema: Was der Kaktus mag ..

..muss für eine Geschäftsbeziehung nicht stimmen! 


Kakteen mögen es eng in ihrem Umfeld. Umtopfen ist erst dann angesagt, wenn der Wüstenbewohner selbst die Grenzen sprengt. Die Azteken benutzten den kreisrunden Stachelkopf Echinocactus grusonii (auch als "Schwiegermuttersessel" bekannt - ach was!) für rituelle Handlungen, u.a. für Menschenopfer. In einer Kundenbeziehung geht es eher um Spielräume, Weite, Großzügigkeit auf beiden Seiten als um Enge. Und um Opfer schon mal gar nicht. Opfer kommen übrigens nicht in diese Rolle, weil sie schwach wären, sondern weil sie ein Mehr besitzen, das sich der Aggressor aneignen will. Aber - ein anderes, ein weites Feld! 


Die fachliche Seite einer Geschäftsbeziehung ist mit dem Kopf zu bewältigen. Auf der Beziehungsebene spielt sich viel mehr ab und dort liegt der eigentliche Sprengstoff. Sehr frühe, immer noch virulente Muster können anklopfen, unbewusste Übertragungen aus nicht bewältigten Gefühlen und Erfahrungen blockieren. Wenn man dann nicht "Früher" und "Jetzt" trennen kann, sind Konflikte fast unvermeidbar. Aber Konflikte sind auch Lösungspotenziale. Eine Wüste, in der sich Oasen auftun.

Wie in einer persönlichen Beziehung tastet man sich in der Geschäftsbeziehung an die andere Seite heran. Es gibt Fälle, in denen anfangs große Begeisterung herrscht, die dann wieder abkühlt, weil der Alltag nun mal so ist wie er ist. Einmal karge Wüste, anderes Mal blühende Landschaften. Mal bekommt man sich anfangs in die Haare, dann rauft man sich zusammen und sortiert gemeinsam das Terrain, was zu einer äußerst fruchtbaren Zusammenarbeit führen kann. Spannend! Ich mag sie sehr - die Vielfalt der Geschäftsbeziehungen! Auch wenn sie nervig sein kann. Jede ist eine Gelegenheit zu wachsen. C'est la vie.

Beraten heißt auch Näher-Kommen


Und Nähe kann wiederum als Enge empfunden werden. Als PR-Strategin und Textwerkerin muss ich aber auch mal Grenzen überschreiten dürfen. Ich muss doch aufspüren und heraus kitzeln, was das Kundenunternehmen im Innersten zusammenhält, um die richtige Tonalität, Sprache, Zielausrichtung, strategische Substanz zu finden. Mit Respekt und Feingefühl, versteht sich. - Was passt, was geht gar nicht? 

Eine Analyse der Ist-Situation und der Zielvorstellungen, der Unternehmensfarbe und des vorhandenen (und künftigen) Corporate Wordings macht Sinn! Meist ist der Kunde darauf aber nicht vorbereitet, er fühlt sich vielleicht überrollt, überfordert, in eine prekäre Pflicht genommen. Sich selbst einen Spiegel vorzuhalten erfordert Mut und Zeit und die Fähigkeit sich von sich selbst zu distanzieren. Schwierig! Oft brutzelt man viel zu lange im eigenen Saft und das Ergebnis ist zäh wie ein nicht abgehangenes Steak. 

Das Leben ist ein Testlauf, der nach ständiger Evaluierung und Optimierung lechzt - und das Geschäftsleben auch!


Wer hier auf Lorbeeren ausruht, vergibt Chancen. Komfortabler und prospektiver ist es, sich einen beratenden Sparringspartner ins Haus zu holen, der von außen auf das Innere schaut. Viele staunen dann, dass das viel Spaß machen kann. Spürt dieser Berater kleine Schwachstellen auf, sollte man nicht zusammenzucken und sich ins Schneckenhaus zurückziehen, sondern sich freuen, dass man es ab sofort anders, besser, prospektiver halten kann. Auch konstruktive Kritik kann weh tun, aber ihre kleinen Nadelstiche wirken - wie Akupunktur - heilsam und lösend.

Oder wie die Stacheln im Kaktus, der sich gegen Fressfeinde wehrt und seine Wüstenexistenz tapfer verteidigt? Ach, wer weiß das schon so genau.



Foto Kakteen: Stocksnap.io Bill Williams
Foto Wüste: Stocksnap.io. Thomas Shelberg