Donnerstag, 27. Februar 2014

Fake Texte - nur ein Kavaliersdelikt?

Wieder mal in den Medien: Gefakte von einem Computer wahllos zusammengewürfelte angebliche Fachtexte wurden von Fachverlagen nicht als solche erkannt, obwohl sie nix als reinen Unsinn enthielten. Ein Skandal? Es gab keinerlei Peer Review - also eine kritische Sachprüfung durch gleichgestellte Fachleute, kein Lektorat, offenbar auch niemanden, der vor dem Druck Korrektur gelesen oder redigiert hätte. Auch die angeblichen Autoren (gute Namen aus der jeweiligen Branche) wurden nicht vom Verlag befragt. Die fielen dann allerdings aus allen Wolken, als sie die Konglomerate in Augenschein nahmen - die sie erstellt haben sollten. Kein Einzelfall. Kein neuer und sicherlich auch nicht der letzte.

Mehr dazu: http://www.zeit.de/wissen/2014-02/wissenschaftsverlage-zufallsgenerierte-fachartikel

Was in der Fachwelt jetzt hochkocht, gibt es im Internet-(Un-)Wesen schon längst. Computer generierte Webtexte, aus Textpassagen anderer Autoren zusammengebaute Plagiat-Texte, krude Mischungen aus schlichter Dichtung und schlechter Wahrheit werden als Originaltexte an den Mann gebracht. Qualität? Ach nee, muss doch nicht, oder? 

Die neuen Experten

Experten schießen wie Pilze im Spätsommerregen aus dem Moos, in der Regel selbsternannt und nicht selten bar jeder Legitimation qua Qualifikation. Online Webinare geben diesem Unwesen Raum, in denen schlechterdings jeder, der sich in einem Gebiet ein wenig auskennt ("Wie ernähre ich Hamster?" "Was ist der Sinn von Würmern beim Angeln?" "Wie mache ich mein Kind stubenrein?""Wie gründe ich einen Verein?""Welche Schuhcreme eignet sich für Wanderstiefel?" Wie ziehe ich Kräuter auf der Fensterbank?"), ermuntert wird, diese Grundkenntnis doch als Grundlage für eine schlicht und schnell aufgebaute Expertenlaufbahn auszubauen. Mittels unaufwändig zusammengeflickter eBooks ("Ach, schreiben kann doch jeder!Das ist gar nicht so schwer. Sie können das auch!") oder online-Workshops u.ä., die mit E-Mail-Kampagnen beworben und vermarktet werden sollen.

Meist zeigen diese Webinare dann ein, zwei als erfolgreiche Experten bezeichnete Menschen als Beweis für das Machbare dieses Konzepts, die mit dem Notebook im Schoß am Strand von Honolulu oder Miami Beach die Füße ins Wasser halten und ihr Leben in vollen Zügen genießen. Finanziert von den üppig sprudelnden Experten-Umsätzen, die mit minimalem Aufwand erzielt werden wollen. 

Auch ein Fake, aber mehr noch. Es ist gefährlich, die Sehnsucht der Menschen nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung und den Trieb nach Geltung und finanziellem Erfolg auszubeuten, indem man Neid und Gier weckt. Es ist schändlich, Unbedarftheit und Naivität und nicht zuletzt Vertrauen so zu missbrauchen.

Empfehlung:

Vertrauen Sie Menschen, nicht Computern, wenn es um Worte und Wörter geht. Dann klappt's auch mit Qualität und Seriosität. Vertrauen Sie dem Profi, der seine Expertise nachweisen kann!

Mehr dazu: www.missword.de