Mittwoch, 25. Februar 2015

Mittwochssuppe: Frühlings-Consommé mit grünen Klößchen

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!

Das große Fasten-Halali!


Jetzt sind die Magazine und Gazetten landauf-landab wieder voll davon: Mit Ausbruch der Fastenzeit steigen auch die Fastenapostel auf's Podest. So unoriginell wie langweilig. Warum - um Himmels willen - soll man gerade in der Fastenzeit fasten, es sei denn aus religiösen Gesichtspunkten? Klar, Frühjahrsputz! Entschlackung und Verjüngung soll das Null-Fasten bringen. Stimmt das? Für viele bestimmt. Man muss nur daran glauben :-) 

Gut, ein paar Kalorien dürfen ja sein - im Löffel Honig, ein paar Karottenkrümel in der Brühe, im grünen Morgen-Smoothie. Wie alles im Leben, sollte man es mit Augenmaß handhaben. Und idealerweise betreut. Liest man die Fastenanweisungen für Anfänger oder Profis, scheint es erheblich komplizierter zu sein sich mit Fastenkost am Leben zu erhalten als sich schnell mal eine leichte Mahlzeit aus Rotbarsch & Blattspinat, Pute & Erbsen oder Pasta & Tomate zu bereiten. Wenn die Fastenzeit so früh wie dieses Jahr einbricht - also Mitte Februar -, sind Magen und Seele allerdings noch auf solide Winterkost eingestellt. 

Vielleicht nicht für alle der optimale Ausgangspunkt, um sich eine klare Gemüsebrühe zuzuführen - und sonst nix! Es sei denn, man wählt genau diese und gibt zu allem Überfluss noch niedliche Bällchen aus Grieß, Milch, Eigelb, Basilikum dazu! Es soll nicht verschwiegen werden, dass sie auch ein paar klitzekleine Zugaben enthält, die ein Fastender nicht unbedingt in den Topf geben würde .. Dafür betört sie auch mit einem intensiven Möhrengusto und einer zartgrünen Frühlingsanmutung.


Möhren-Basilikum-Consommé mit grünen Klößchen


Wir brauchen:

Je 1 Zwiebel und Knoblauchzehe, 1 Bund Möhren (etwa 700 g), 100 g Staudensellerie, 200 g Frühlingslauch, frischen Thymian und viel Basilikum, 1 Glas trockenen Weißwein (aha!), 6-8 EL natives Walnussöl oder Rapsöl (muss!), 125 ml Milch, 50 g Dinkelgrieß, 2 Eigelbe, 20 g Butter (hmm?), Salz, Pfeffer, Lorbeer

Und so geht's:

1 Vorbereitung: Zwiebel ungeschält halbieren und die Schnittstellen in einer fettfreien Pfanne braun rösten, Knoblauch ebenso. 200 g Möhren putzen und in Scheiben schneiden, Lauch und Stangensellerie ebenso. Alles in 1,5 L kaltem Wasser, Wein und 2-3 EL Öl aufkochen.

2 Zerstoßenen Pfeffer, Meersalz, Lorbeer, Thymianzweige zufügen und alles ca. 35 Minuten garen. In der Zwischenzeit die restlichen Möhren putzen, teils reiben, teils in Stifte hobeln. Die geriebenen Möhren noch 15 Minuten mitkochen lassen.

3 Währenddessen Milch, Butter, Salz aufkochen, Grieß einrühren, bis sich ein Teig bildet, der sich vom Boden löst. In einer Rührschüssel Eigelbe und Mini-Basilikumblätter einarbeiten.  Mit feuchten Händen Klößchen bilden, in siedendem Salzwasser 4-5 Minuten gar simmern lassen.

4 Gemüsesuppe durch ein Sieb ziehen, Gemüse gut ausdrücken. Im Fond die restlichen Karottenstiftchen aufkochen, ordentlich pfeffern, die Klößchen einlegen, mit dem restlichen Öl beträufeln, ggfs. Petersilie bestreuen. Wer es reichhaltiger will, streut einen EL gemahlene Mandeln darüber. 


Es muss nicht immer Kaviar - pardon - der Königsweg sein!



Manche finden darin Befriedigung, wenn sie  in der Fastenzeit auf ein geliebtes Suchtmittel wie Nikotin oder Alkohol, Süßkram oder Videospiele verzichten, warum auch nicht mal auf's Internet oder das Smartphone? Entzugserscheinungen dann tapfer mit "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht" oder "Spitz-pass-auf!" bekämpfen. Kennt man diese Familienspiele überhaupt noch? Wird noch ge-skatet oder Doppelkopf geklopft? Billard oder Tischfußball gespielt? Darts geworfen? Unbedingt. Das Bild einer komplett digitalisierten Gesellschaft bekommt Risse, wenn man sich gerade in kleinstädtischen oder ländlichen Regionen, außerhalb der Szene-Stadtteile von angesagten Metropolen und in der Kneipenwelt von Leuten bewegt, die sich den ganzen Tag körperlich abrackern. Da werden noch Traditionen wie Stammtisch und Kegelabende gepflegt, und das geht locker ohne Internet. Mutmaßlich sogar besser!

Einen Tag nix, den anderen Tag normal!



Aktuell sehr angesagt ist auch das zeitweilige Fasten - einen Tag nix außer Flüssigkeit, den anderen Tag wieder alles (allerdings nicht ungezähmt). Dies über 4 Wochen durchgehalten und die liebe Seele hat Ruh! Mir persönlich fällt es leichter, an einem Tag von 20 h abends bis 8 h am übernächsten Morgen mit sehr wenig auszukommen und meine Sehnsucht auf das Frühstück des nächsten "Ess-Tages" zu richten als 2 Wochen am Stück wie ein - sorry - Einsiedlerprediger in der Wüste zu leben. Das intermittierende Fasten hat den Vorteil, dass der Stoffwechsel sich erst gar nicht auf Hungersnot einstellt und die Eiweißreserven unangetastet lässt. Zusätzlich bewirkt es, dass man an den folgenden Ess-Tagen seine Nahrung wesentlich bewusster und vernünftiger auswählt. Und ein krosses Röggelchen mit gesalzener Butter und Schnittlauchröllchen wird wieder zum Hochgenuss.

Verzicht ist eben doch ein Gewinn! Meistens.


Ursprungsrezept: Essen & Trinken Juni/2012
Bild: lalilele, fotolia.com