Sonntag, 22. Februar 2015

Sonntagsthema: Macht emotionaler Content unsterblich?


Eine kühne Behauptung. Schau'n wir doch mal ins alte Ägypten.


Der ägyptische Pharao Ramses II regierte im Neuen Reich 60 Jahre lang. Ein grandioser Feldherr, der mit seinem Heer nur auszog, um die Grenzen zu sichern, nicht um sich fremdes Territorium anzueignen. Ein leidenschaftlicher Bauherr von Megabauten, der daneben noch Zeit fand, 40 Kinder zu zeugen. In etwa 90 Lebensjahren wurde er zur Legende. Nach ihm setzte bröckelnder Verfall ein. 


Was hat Ramses II mit Content Marketing zu schaffen?

Der Bau seines Grabmals in einem unerschlossenen Tal zog sich über Jahrzehnte hin, in einem eigens dafür errichteten Dorf lebten die Arbeiter, Planer und Bauleiter. Der Totenkult und das Jenseits waren allgegenwärtig, dennoch lachten und liebten sie wie andere. Im zweiten Dasein würden sie genauso weiterleben wie im ersten. Das war der Plan. Daher begleitete den Pharao in seinem königlichen Grabmal alles Nötige: Waffen, Hunde, Pferde, Streitwagen, Geschirr, Nahrung, Bier, Diener, Salben, Gold. Und sein Herz, das man als einziges Organ in den mumifizierten Körpern beließ. Schließlich war es das Zentrum allen Seins! (Aha!)

Ramses war Bauherr, Vordenker und Geldgeber, aber auch ein Unternehmer, der den Wirtschaftskreislauf ankurbelte. Seinem Beispiel folgten die Arbeiter, die sich ein Grabmal leisten konnten, sehr viel schlichter, unprätentiöser zweifellos, ein Totenhaus für den ganz kleinen Geldbeutel. Eine Totenhaus-Siedlung entstand wie heute ein Einfamilienhaus-Vorort im Grünen. 

Auf die Neuzeit umgesetzt: Wie würde Ramses II seine Idee heute vermarken? Wäre sein Slogan: „Fürchten Sie sich vor dem Jenseits!“? Sicher nicht. „Heute schon an die Zukunft denken!“ - Das ist wahrscheinlicher. Welcher emotionale Appell steckt dahinter? „Leute, mit dem Tod ändert sich wenig. Es ist nur ein Sprung von einer Klippe zur anderen. Freut euch auf euer zweites Leben! Das wird richtig gut!“


Content Marketing für Lebende und Lebendige


Ist es Anmaßung zu vermuten, dass Bauherr, Arbeiter und Bauleute wirklich so dachten? Es war ein Trost sich auf das Jenseits zu freuen. Denn ein so hohes Alter wie Ramses erreichten sehr wenige. Viele starben in den Dreißigern, mit 50 war man ein Greis, eine alte Frau. Das Zeitgefühl mag ein anderes gewesen sein, aber dass das irdische Leben endlich war, bestätigte sich jeden Tag aus Neue. Das hat Ägypten wie keine andere Kultur verinnerlicht. 

Wie innovativ dieser Totenkult war! Eine außergewöhnliche Marketingidee und deswegen hoch erfolgreich, weil sie das Fühlen der Menschen besetzte und mit Geschichten füllte, mit denen sich jeder identifizieren konnte. Und – wer weiß das schon – vielleicht hatten die Ägypter ja recht mit ihrer Vorstellung vom jenseitigen Leben, das 1:1 dem diesseitigen gleichen sollte? Das mag jetzt manche verschrecken, kann aber auch Hoffnung machen

Die Quintessenz: Im Content Marketing ist man gut beraten auf Gefühle und Emotionen zu setzen. Sicherlich tut sich so manches Unternehmen schwer, die kongeniale, sprich glaubwürdige, Authentizität ausstrahlende Emotion für sich zu adaptieren. Aber im Grunde ist es einfach. Die Fragen sind doch:

Wem nützen meine Produkte und Dienstleistungen ganz besonders? 
Welche Bedürfnisse werden damit befriedigt, welche Gefühle besetzt? 
Für welche emotionale Qualität stehen meine Produkte & Dienstleistungen? 
In welcher emotionalen Aussage finde ich mich selbst wieder? 
Wie kann ich diese glaubhaft und wahrhaftig vertreten? 

Das herauszufinden, erfordert etwas Zeit und strategische Beratung. Verbrauchsprodukte haben die Nase nur scheinbar vorn gegenüber B2B-Geschäftsbeziehungen, denn auch sperrige, erklärungsbedürftige, komplexe Inhalte wenden sich schlussendlich an Menschen, und auch Einkäufer haben Gefühle  und... und. 

It’s a people’s business. Neugier ist angesagt. Schauen, was treibt andere um und wo ist der Wurm sprich die Emotion, die ich auf den Angelhaken spießen kann? Das klingt jetzt nach schnöder Verkaufsstrategie, ist aber nur praktische Intelligenz. Wir alle kaufen, ständig, oft unnötigerweise, und es ist muss auch Leute geben, die ver-kaufen. Und: Auch in einer digitalen Welt sind es immer noch atmende, gefühlige Wesen, die nach Produkten, Dienstleistung, Beratung verlangen. Da hat sich seit Ramses II nix getan. 

Emotionales Content Marketing birgt eine Riesenchance 


Mit ihm richten wir uns zwar immer noch auch an den Verstand, aber in erster Linie appellieren wir an die Instanzen die im Kunden das Sagen haben: Gefühle, Emotion & Intuition. Das Unbewusste. Das, was Geschichten eben so bewirken, seitdem die Menschheit sich artikulieren kann. Gefühle hatten Menschen lange bevor sie ihnen dezidiert Ausdruck geben konnten. Wie kommt man damit eigentlich klar? Prähistorische Neurotiker? Die hatten für Neurosen keine Zeit. 

Narratives Content Marketing steht in einer langen Tradition von Menschheitsmythen. Die Plots bleiben sich treu, doch jede neue Zeit gibt ihnen ein neues Gewand. Dennoch sind sie im Kern das was sie sind: Urwissen der Menschheit. Oder Ursuppe? – Ach, egal


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