Mittwoch, 11. November 2015

Mittwochssuppe? Nöö, heute mal ein Mittwochsdessert.

Novembertage, die einem September alle Ehre machen könnten. Dennoch geht es auf die Jahresendschleife zu. Ähnlich wie die Nordkurve auf dem Nürburgring kann diese ganz schön tückisch sein. Da hilft ein delikat-fruchtiger Genuss, damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen - sprich: Marzipankartoffeln, Spekulatius, Dominosteine & Co. 

Dem Granatapfel - für mich eine Art "Wappentier" - fühle ich mich besonders verbunden, obwohl ich ihn selten genieße. Eine der wenigen Saisonfrüchte, die nicht wie die bedauernswerten Erdbeeren, Himbeeren und ihre Geschwister auch im tiefsten Winter im Gewächshaus heranwachsen müssen.

Salat aus Orange, Granatapfel & Dattel: magisches Morgenland!


Orangen begleiten uns durch den Winter. Granatäpfel stehen für Fülle und Reichtum, die köstliche Kulturpflanze Dattel ist so alt wie die Welt, und Mandeln & Zimt duften nach Tausend-und-einer-Nacht. Reichte die kluge Scheherazade ihrem Pasha nicht ein Granatapfelmus, während sie ihn mit Geschichten in Hochspannung hielt? 

Der Salat hat Talent für ein fabelhaftes Weihnachtsdessert. Mit seiner feinen Fruchtsäuren ersetzt er den Digestif nach einem üppigen Hauptgang oder begleitet ihn kongenial (Gegen einen gealterten Mirabellengeist aus dem Elsass ist nichts einzuwenden, oder?).

Und so geht's:


1 Zwei geschälte (Bio-)Orangen von der weißen Innenhaut befreien, filetieren, mit 2 EL Orangenlikör und 1 EL Orangenblütenwasser marinieren. 

2 20 geschälte Mandeln fettlos, aber mit je einer Prise Zimt & Kardamom rösten und mit 2 EL Agavendicksaft im beschichteten Pfännchen karamellisieren. 

3 Orangenfilets in Schalen verteilen, mit den aus der Schale geklopften Granatapfelkernen, gerösteten Mandeln und in Streifen geschnittenen (möglichst den kleinen, süßeren) Datteln belegen, mit frischer Minze dekorieren. 

4 Leckermäuler geben einen Klacks Crème Chantilly dazu. 


Diesen Crème-Klassiker soll der damals schwer berühmte Koch Vatel 1671 zu Ehren Ludwig XIV erfunden haben. Dieser fiel unerwartet beim Duc de Chantilly ein und in der Schlossküche waren sämtliche Eier für das Dessert verdorben. Ob es stimmt? Wie bei allen klassischen Kochrezepten ist immer eine Prise Dichtung dabei. In der klassischen französischen Küche wird die Chantilly aus Crème double mit Orangenblütenwasser, Zitronenabrieb und etwas Puderzucker geschlagen. Parfümieren kann man sie auch mit einem Spritzer Orangen- oder Zitronenlikör oder mit Pistazien veredeln. Sie ist eine Vorläuferin unserer "Schlagsahne", die allerdings aus süßer Sahne schäumt.



Friedrich II und die Liebe zu den Pomeranzen



Orangenblütenwasser entsteht übrigens (meist in Marokko) bei der Destillation von Pomeranzenblüten (Bitterorangen). Preußenkönig Friedrich II (der Große) liebte Obst und kultivierte es an den sanften Hängen und Weinterrassen (teils auch hinter Glas) auf dem Schlossgelände Sanssouci in Potsdam, das er der (damaligen) märkischen Wildnis abgerungen hatte.

Gegen den Rat des Hofgärtners ließ er sich aus dem Orient Pomeranzenbäume kommen. Vor der Fassade von Schloß Sanssouci machten sie sich pittoresk. Leider vertrugen sie das raue Klima oder den märkischen Sand nicht und gingen den Weg alles Irdischen. Der untröstliche König ließ immer wieder neue Exemplare übers Meer zu ihm gelangen, immer und immer wieder. Er war ein wenig uneinsichtig, der Gute! 

Sein Junggesellen-Schloß (nun ja, er hatte eine legitime Gemahlin, war aber nicht wirklich an ihr interessiert) war überschaubar: Gerade mal 12 Zimmer, davon ein allerliebster ovaler Marmorsaal, fünf Gästeappartments und nur 5 Zimmer für des Königs eigener Verwendung. Eine kreisrunde Bibliothek mit über 2000 Bänden und eine kleine, exquisite Galerie, die der Antike und der zeitgenössischen französischen (was sonst sollte der frankophile König lieben?) Kunst gewidmet war. Die Ausstattung des kuscheligen Heims ist allerdings erlesen! 

Seinem Architekten Knobelsdorff pfuschte der König ins Handwerk und verbat sich eine Unterkellerung. Er strebte eine kongeniale Verbindung von Innen und Außen an und gedachte, vom Salon direkt durchs Fenster auf die Veranda zu gelangen. So kommt's, dass Sanssouci vom tiefer gelegenen Park aus betrachtet ein wenig in den "Boden gestaucht" wirkt. 

Übrigens: Wie wurde die Pomeranze zur "Landpomeranze"? Aber das ist ja schon wieder ein anderes Thema. Demnächst!





Bild:
Granatäpfel; Thinkstock
Pomeranzen #80588074 | Urheber: I.Arle41

Tags: Orange, Bitterorange, Pomeranze, Granatapfel, Dattel, Mandel