Mittwoch, 3. August 2016

Die Mittwochssuppe: Den Löffel eintauchen in Portugals Nationalsuppe

Bodenständig und schmackhaft ist sie, die portugiesische Küche der Hirten und Fischer. Die Küche armer Leute, die mit der "Sopa alentejana" ein nahrhaftes Nachtessen gestalten oder die der besseren Kreise, die kein Menü ohne Suppe beginnen. Wenn die Hirten im kargen Alentejo frühmorgens zu ihren Weiden aufbrachen, führten sie einen Topf heißes Wasser mit sich. In der portugiesischen Sonne kühlte dies kaum ab. Dort hinein wanderte alles Gute, was man längs des Wegs sammelte oder in  seinen Taschen vorfand: wilde Kräuter und frei wachsende Gemüse, Knoblauch und Zwiebeln, Olivenöl, Brotreste, eine Speckrinde, Eier, Pilze. 

Natürlich ist die Sopa alentejana heute in raffinierterer Form vorzufinden, aber das Grundgerüst blieb über die Jahrhunderte das gleiche. Der italienische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Antonio Tabucchi, der in Portugal lebte und seine in viele Sprachen übersetzte Werke in portugiesischer Sprache verfasste, hat der legendären Sopa im "Lissabonner Requiem" ein Denkmal gesetzt.


Kleine-Leute-Suppe - ganz groß: Sopa alentejana


Wir brauchen:

150 g Chorizo-Wurst in Scheiben, 200 g Streifen mageren Bauchspeck, Olivenöl, 1 Gemüsezwiebel in Ringen, 1 gehackte Knoblauchzehe, frische Kräuter, 500 g gewürfelte Tomaten, Lorbeer, grüne und rote Paprikastreifen, 4 Eier, reife Feigen, Spritzer Essig, Salz, Pfeffer, Schuss Rotwein, geröstete Weißbrotscheiben.

Und so geht's:

1
Knoblauch und Zwiebel in Olivenöl andünsten, Wurst und Bauchspeck mitschmoren, gewürfelte Tomaten und Lorbeer + ggfs. frische Kräuter wie Koriander zufügen, salzen, mit heißem Wasser oder Fleischbrühe auffüllen. 

2
Etwa 20-30 Minuten garen, Paprikastreifen, gewürfelte frische Feigen und Rotwein zufügen, noch einmal 5 Minuten schmoren, Lorbeer herausfischen, nachschmecken mit Salz, Pfeffer, Essig. Auf die Suppe geröstete Weißbrotscheiben legen und - wer's mag - geviertelte gekochte Eier. 

3
Mit viel frischem Koriander oder Petersiliengrün bestreuen und heiß genießen.


Diese fabelhafte Suppe lässt sich wunderbar saisonal variieren.


Reiseknigge: Portugal ist mehr als Fado und Saudade!


Als Tourist in Portugal kommt man nicht umhin, die portugiesische Seele zu ergründen - Portugiesen sind gefühlvolle Menschen, die viel Takt, Einfühlung und Respekt für andere aufbringen. Das macht sie so anziehend, aber auch empfindlich für ungehöriges oder als nicht statthaft empfundenes Benehmen, sei es in Unkenntnis oder aus Ungehobeltheit. Gerade in Portugal ebnen ein paar Verhaltensregeln den Zugang zu diesem gastfreundlichen Land und zu seinen (in der Regel) liebenswürdigen Bewohnern.


Im Restaurant wartet man, bis der Kellner einen wahrnimmt und einen Tisch vorschlägt. Natürlich gilt das nur für eine akzeptable Zeit von ein paar Minuten. Danach kann man selbst initiativ werden. Hat man Platz genommen, werden unaufgefordert Häppchen wie Oliven, Thunfischpaté, Brot, Butter, Käse gereicht. Dies gehört zum Gedeck und sollte auch von Ihnen bezahlt werden. Aufwändigere Antipasti, die man nicht geordert hat, eher nicht. 

2
à saude! Die Getränke sind kostengünstig, daher sollte man auf das kostenlose Leitungswasser nur bei Hitzewellen zurückgreifen. Sich zuzuprosten ist weniger üblich. 



In feineren Lokalen erhebt man nicht übermäßig die Stimme, in Fado-Restaurants stoßen Sie auf Missbilligung und Unmut, wenn Sie die musikalischen Darbietungen durch Reden oder auch nur Flüstern stören. Fado ist eine tief empfundene Herzensangelegenheit, bei der auch und vor allem ambitionierte und nicht selten tief melancholische Laien-Sänger vortragen, was Respekt verdient. Ein kleines pekuniäres Dankeschön oder ein Kompliment wird gern gesehen.



Die Conta kommt meist auf einem Tellerchen, vom Wechselgeld lässt man einen adäquaten Betrag (10-15%) zurück - aber keineswegs in kleinsten Münzen. Im Taxi rundet man auf die nächsten 50 Cent-oder Euro-Beträge auf. In einfacheren Lokalen, die sich für einen schmackhaften Mittagstisch bestens eignen, zahlt man seine Zeche an der Theke.


FKK ist in Portugal verboten, Oben-ohne-Baden wird geduldet.



Die überwiegend katholischen Portugiesen sind gläubig.  Jedwede Kritik am Papst ist tabu. In Kirchen sollte man sich - wie in allen katholischen Ländern - angemessen kleiden und  dezent verhalten, eine kleine Gabe einwerfen, auf Fotografieren verzichten. 



Bei den stimmungsvollen, nicht selten temperamentvollen religiösen oder kirchlichen Festen sind Gäste immer willkommen - solange sie sich gut benehmen!


Boa viagem!


Lesetipp:
http://www.zeit.de/2012/48/Portugal-Kochen-Rezepte-Geniessen/komplettansicht

Bildnachweis: 
Menukarte: Stocksnap.io,
Zwiebeln Stocksnap.io Patrick Dziejma