Samstag, 31. Januar 2015

Aufgespießt: Überschäumendes im Glas

Sekt, Prosecco, Crémant, Schampus, Champagner - nicht nur zu Silvester an vorderster Front, wenn es einen Anlass zum Feiern gibt. Die Faszination der aufsteigenden Perlen, der feine Farbton, der von elfenbein bis sanft honiggelb changiert, die unglaubliche Palette an Möglichkeiten .. Bei Schaumwein lohnt es sich, nicht geizig zu sein, sonst lässt der Brummschädel nicht lange auf sich warten.

Nicht immer muss es der noble Saft der Champagne sein - der übrigens in seiner frühen Zeit im Mittelalter als verdächtig galt, weil er moussierte und die damals nicht widerstandsfähigen Bouteillen schon mal zum Platzen brachte - erst Abt Dom Pérignon, der selbst keinen Tropfen Wein zu sich nahm, kultivierte den damals noch hellroten Rebensaft zu einem sittsameren, aber umso köstlicheren Gesellen.

Er edelt fast jedes Gericht ..

und es gibt es kaum einen Anlass, bei dem Champagner fehl am Platze wäre. Eine der Grandes Dames des Champagners, Mme Lily Bollinger, gibt Einblick in ihr Schampusritual: "Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin. Manchmal (..) wenn ich allein bin, und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er auch nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe." Eine nachahmenswerte Lebenseinstellung! Allerdings saß Madame als Mitglied einer Champagnerdynastie von Weltruf auch direkt an der Quelle.

Apropos Preis! 

Es muss ja nicht immer das Millesime Edelgewächs sein - es gibt eine wahrhaft preiswertere, bodenständigere aber nicht weniger köstliche Alternative: Spanischen Cava! Bei uns - außer einer Massenmarke, die ich eigentlich nicht als Cava, sondern eher Fabriktraubensaft mit Kohlensäure bezeichnen würde - kaum bekannt und noch weniger getrunken. Eine echte Schande! Geboren in Katalonien als Sohn kleiner traditionell arbeitender Winzer und aufgewachsen nach der Methode Champenoise ist er einem mittelmäßigen bis schlechten Sekt oder Schampus bei weitem vorzuziehen. Im hippen Barcelona kann man in quicklebendigen Xampanieras erleben, wie Cava alle Gesellschaftsschichten eint und gegen kleines Geld Delikates über den Tresen gereicht wird. Mit Tapas und Bocadillos genossen ist Cava brut oder rosato eine wahre Entdeckung!



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