Mittwoch, 28. Januar 2015

Mittwochssuppe: Seelenwärmende Grand-mère-Suppen nach George Sand

Heute ist Mittwoch - heute gibt's Suppe!

Eine ungewöhnliche Frau, diese George Sand, die fast 75 Jahre lang das Gesicht des 19. Jahrhunderts mitprägte, aber weit über dies hinausging. Muse von Literaten, Komponisten, Klaviervirtuosen, Künstlern, großartige Autorin und emanzipierte Kämpferin für die Freiheit der Frau, Hosenträgerin lange bevor es Mode oder comme il faut war und nicht wenig auch Feinschmeckerin, die in ihrem Landgut Nohant auch selbst den Kochlöffel in die feinen Schriftstellerhände nahm. 

Ihre Küchen-Kompositionen sind von eher bodenständig-bürgerlicher Art, angelegt an die französische cuisine grande-mère, angereichert mit Auslandszitaten. Hat George Sand die "Spanische Suppe" vielleicht aus ihrem "Winter auf Mallorca" mitgebracht? Den Ihr Begleiter Frédéric Chopin mehr durchlitt als durchlebte? Sie ist an delikater Schlichtheit kaum zu überbieten, ebenso wie die "Gemüsesuppe mit Erbsen", deren Zusammensetzung unsere heutige Zunge ein bisschen erstaunt. Beide wärmen an fröstelnden Winterabenden Magen und Seele.

Spanische Suppe


Wir benötigen:

Feines extra natives Olivenöl, 2 geschnittene Gemüsezwiebeln, 1 Knoblauchzehe, 2 zerkleinerte Fleischtomaten, Nelke, Salz, Pfeffer, Lorbeerblatt, gehacktes Suppengrün, geröstete Landbrotscheiben, geriebener Gruyère oder Manchego.

Und so geht's:

  1. Ein Madeiraglas Olivenöl in einer Kasserolle zum Sieden bringen, alle Zutaten (außer Brot und Käse) zufügen.
  2. Eine gute halbe Stunde einköcheln, mit Gemüsebrühe auffüllen und eine weitere Stunde sanft garen.
  3. Suppenteller mit gerösteten Brotscheiben auslegen, mit Suppe auffüllen. Wer mag, streut Gruyère oder Manchego darüber.
  4. Alternativ: Die gerösteten Brotscheiben mit Butter bestreichen, mit abgetropften Sardellenfilets belegen und mit der Suppe genießen.

Gemüsesuppe mit Erbsen

Wir benötigen:

1 Stück gepökelte Ochsenbrust, Trockenerbsen, 1 Kopfsalat, 1 Bund Kerbel, Salzwasser, 125 g Butter,  2 Eigelb, Milch, Croutons

Und so geht's:

  1. Ochsenbrust und Erbsen als erste Schicht in einen hohen Suppentopf legen, Kopfsalat und Kerbel obenauf, mit kochendem Salzwasser knapp bedecken
  2. 4-4,5  Stunden ganz sanft auf kleinster Flamme köcheln lassen
  3. Butter zufügen und 2 in Milch (oder Rahm) verquirlte Eigelbe zufügen. Noch einmal aufkochen, mit frischem Pfeffer und Zitrone ( + einer eventuellen Prise Zucker) abschmecken.
  4. Mit Croutons bestreuen und servieren.

Frédéric Chopin hat insgesamt 7 Jahre in Nohant verbracht, in einem der schönstgelegenen Räume des ländlichen Schlosses, umgeben von chinesisch inspirierten Tapeten und Teppichen. Und wenn nicht am Flügel, dann vor einem Kamin, der auch im Sommer befeuert wurde, damit der zarte Musiker sich nicht erkältete. Dennoch war er selbst dort von Unruhe getrieben. George Sand schreibt: "Immer wollte er Nohant und konnte doch Nohant nicht ertragen .. Seine Ansprüche an die ländliche Umgebung waren schnell erfüllt. Er ging ein wenig spazieren, setzte sich unter einen Baum oder pflückte Blumen .. Dann schloss er sich wieder in sein Zimmer ein." ("Correspondance"). 


Originalrezepte in "Zu Gast bei George Sand" (Hrg. Christine Sand) DuMont
Fotorechte: Ralf Udo Thiele - Fotolia