Sonntag, 1. Mai 2016

Sonntagsthema: Heureka - Eine Welt ohne Konformisten!

Erlaubt das Wirtschaftsleben Rebellen? 


Robin Hood gilt als Rebell, James Dean (weil er eine neue Jugendkultur prägte?), Einstein auch, Galileo Galilei, Martin Luther, Wilhelm Tell, Leo Trotzki, Bertha von Suttner .. Namenlose der portugiesischen Nelkenrevolution *, des Ungarischen und Prager Aufstands, der Pariser Mai-Revolte 68, der Unbekannte beim Aufstand auf dem Tian'anmen-Platz. Sie zweifelten die bestehenden Verhältnisse an und stellten sich (auch bildlich) vor anrückende Panzer. Leider bekam es auch mancher mit der Inquisition zu tun. Alle gingen sie aber in die Geschichte ein. - Was macht den Rebell bzw. den Non-Konformisten in Unternehmen aus?

* hier geht's zum Lied der Nelkenrevolution 

Es lebe der Typus "Skeptischer Optimist"!


Der amerikanische Psychologe Adam Grant fordert diesen Persönlichkeitstyp in seinem neuen Buch "Nonkonformisten", das im März 16 in der deutschen Ausgabe bei Droemer rasch zum Bestseller aufstieg. Fortschritt setzt für ihn das Vorhandensein von Originalität voraus, was weit mehr als Kreativität und Innovation bedeute. Originelle Köpfe stellen das Bestehende in Frage, haben brillante Ideen in Fülle und ruhen nicht eher, bis zumindest eine davon erfolgreich ist. Ideen hätten viele Menschen, aber die allermeisten lassen es darauf beruhen und machen nichts daraus. Der originelle Kopf ist das missing link zwischen Vision und Realisierung. Er sieht sich die Welt an und fragt sich: "Wie kann das besser werden?" Dass das sehr viel mit einer inneren Haltung zu tun hat, ist eh klar! 

Non-Konformisten sind unerlässlich für Unternehmenserfolge


Chefs sollten Konformisten aussortieren und Non-Konformisten suchen, sagt Grant, auch wenn diese anstrengender und nerviger sind. Sie sollten Kritik fördern und öffentlich dazu stehen. Nonkonformistische Originale sind keine Experten mit Tunnelblick, sondern Multimacher, die durch ihren breit angelegten Erfahrungsschatz aus unterschiedlichen Sparten, Arbeitskulturen und Branchen eine andere Art mitbringen, sich Dingen anzunähern und an Probleme heranzugehen. Und Intelligenz, die es überhaupt erst möglich macht, die Welt und ihre Erscheinungen zu hinterfragen und nicht alles so zu nehmen wie es ist oder sich darstellt. Kurz: Persönlichkeiten, die Lehrer, Eltern, Chefs, Führer zur Weißglut bringen können :-)

Und Konformisten?


Konformisten seien innere Verweigerer, die nach außen "mitlaufen" und gute Miene zu einem Spiel machen, das ihnen im Grunde suspekt ist. Wollen wir das? Braucht unser Wirtschaftsleben nicht eher Mitarbeiter, die einer Führungskraft nur deswegen in Meinung, Haltung und Handlung folgen, weil sie von deren Ideen und Durchsetzungsfähigkeit überzeugt sind? Nicht aus Angst, Bequemlichkeit oder Feigheit? - Zweifellos lebt es sich besser, wenn man seiner Haltung treu bleibt. Vielleicht nicht immer leichter, doch einfacher. Denn dann verfügt man über eine großartige Orientierungshilfe.
Ach, ein weites Feld, Mr. Grant!


Und was hat das mit Text zu tun?


Auch Texte haben ein Eigenleben. Und Texter eh. Auch sie sollten alles andere als Konformisten sein, die ihrem Auftraggeber nach dem Wort reden. Hinterfragen, anzweifeln, den Vorhang lüften - das gehört zu ihrem Job. Das mag von manchem Klienten als störend empfunden werden. Aber der Erfolg des Kunden gibt dem Texter recht. Daher - liebe Stamm- und potenzielle Neukunden - fragen Sie sich immer, ob der Textworker, Ghostwriter oder Schreiber, den Sie beauftragen, sich als Konformist oder Non-Konformist versteht. Es lohnt sich!




Bildmaterial:
alle Stocksnap.io
Porträt: Martin Schwaibold
Truck: Jay Mantri