Samstag, 6. September 2014

Aufgespießt: Brunnenvergifter wurden im Mittelalter geköpft

Man stelle sich vor: Ein Kurstädtchen, das seit einigen Jahrhunderten auf sein Heilwasser stolz sich, sich als die Heimat der Queen of Tablewater rühmt und ansonsten eine mächtig unreflektierte Sprache führt, wenn es um unbescheidene Selbstdarstellung geht. 

Aber die Idylle ist - wie so manche - Kulisse. Denn genau diese Kommune bzw. die Energieversorger schaffen es nicht, ihren Bürgern sauberer, unbedenkliches, genießbares Trinkwasser zur Verfügung zu stellen, das - wie wir alle wissen - die Lebensgrundlage des Menschen darstellt. Schließlich bestehen wir selbst zu 80 Prozent aus eben diesem Stoff. 

Sie schafft es weiterhin nicht, die Bürger augenblicklich und umfassend zu informieren, als eben dieses Wasser sich bei einem Check als schwer EColi-Bakterien verseucht erweist. Ein Grund, dieses sofort aus dem Verkehr zu ziehen, die Ursachen sofort und umfassend darzulegen und die betroffenen Menschen mit Gegenmaßnahmen zu versorgen. Und vor allem - schleunigst Abhilfe zu schaffen!

Es geht nicht nur um den Konsum von Leitungswasser (das man nur noch abgekocht verwenden darf), aber auch um die tägliche Verwendung bei Zähneputzen, Körper- und Schönheitspflege, Geschirr spülen, Wäsche waschen, Putzen .. Selbst sich die Hände zu waschen, bedarf der Überwindung. Man merkt wieder einmal, wie unentbehrlich und gleichzeitig schutzbedürftig Natur-Energien sind.

Passiert ist dies vor 4 Tagen in Bad N. am Rande der Eifel im Umkreis von Köln, Bonn und Koblenz, geschehen ist nix in Sachen Krisen-PR außer rührend altmodischen Maßnahmen wie Durchsagen aus Feuerwehrwagen Stunden nach Erkennen der Krise und karg informierenden Handzetteln, schon gar nicht in der Beseitigung des nicht nur unappetitlichen, sondern vor allem krankmachenden, einschränkenden und in Einzelfällen lebensgefährdenden Mangels.

Dass ein solcher Notfall nicht über Nacht auftritt, ist auch klar. Das ist eine Entwicklung, die sich vorher durch verschlechternde Werte bemerkbar macht. Aber der Krug geht eben so lange zu Brunnen, bis er verseucht ist :-)

Krisen-PR? Häää?

Krisen-PR wäre hier umso mehr angesagt, als der Ruf des Kurstädtchens, der ohnehin bereits beschädigt ist, auf überregionaler Ebene vollkommen lädiert wäre, wenn die Medien pfiffig genug wären.http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.bad-neuenahr-ahrweiler-mehrere-zehntausend-menschen-sollen-wegen-bakterien-wasser-abkochen.bb2a3799-7fca-4a5e-a1ea-78795d368353.html
Im übrigen herrscht in der Rotwein- und Kurregion traditionell im Herbst Hochsaison - da könnte der Kurzurlauberstrom dieses Jahr deutlich dünner fließen.

Gestern wurde bekannt, dass das Krisengebiet sich noch weiter ausgedehnt hat, dass eine weitere Region betroffen ist, die nichtsahnend immer weiter Trinkwasser ungeschützt verwendete.

Die Stadtverwaltung ließ verlauten, dass die Bevölkerung es "gelassen tragen" würde. Da sieht man mal wieder wie weit kommunale Würdenträger (und politische grundsätzlich) vom Bürger entfernt sein können.

Vermutlich sind die Stadtvorderen und Wasserwerke-Entscheider schon viel weiter als wir denken. In weiser Kenntnis der neuesten Umfragezahlen, dass sich bereits 80 Prozent der Menschen im Internet selbst informieren, haben sie auf weitere Informationsmaßnahmen schlichtweg verzichtet.

Im Mittelalter wurden Brunnenvergifter geköpft oder gehenkt - was passiert heute? 

Irgendwann wird hoffentlich diese Krise vorbei sein - aber was dann passiert, kann man sich heute schon denken: NIX.

PS: Auch heute werde ich gezwungen sein, zum Duschen in das Thermalbad einer benachbarten Stadt zu fahren, die an eine andere Wasserzufuhr angeschlossen ist. Auf die Dauer ein teurer Spaß! Auch die Vorräte an stillem Wasser in den hiesigen Supermärkten gehen offenbar langsam zur Neige ...