Samstag, 20. September 2014

Aufgespießt: Digitale Entzugserscheinungen sind hart

Beinahe zweieinhalb lange Tage war ich ins Mittelalter zurückgeworfen - eine Zeitreise, die ich gerne missen würde - mein Provider war offenbar der klugen Auffassung, ich hätte eine Auszeit verdient und inszenierte eine Großstörung - Internet, E-Mail, Telefon, Fax, alles tot. Mir rutschte der Boden unter Füßen weg. Wie sollte ich das ÜBERLEBEN?? Okay, das Handy. Treuer Knappe in schwieriger Zeit. Aber ich hasse seine winzigen Tasten, die meine Finger zu genauester Kontrolle zwingen, ich mag seinen ewigen Hunger nach Energie nicht und manchmal gelingt es mir nicht, die Sperre aufzuheben, wenn mich ein Anruf erreicht - das alles ist unschön.

Mir wurde bewusst, wie abhängig ich war. Freudlose Tage waren das. Unausstehlich gegenüber Anderen, gereizt gegenüber der ignoranten Hilflosigkeit des Providersupports, nahe an der Grenze zum Ausflippen - die Zeit dehnte sich unendlich und keiner wusste Trost. Nein, schlimmer, man begann mich wie eine Aussätzige zu meiden, denn dieser Virus könnte ja anstecken ...  Ungewiss war wie lange ich in der Wüste ausharren musste - 

Gerade als ich begann, mich in dieser eng gewordenen Welt einzurichten und den Dingen gelassener ins Auge sah, besann sich das digitale Universum und nahm mich wieder in seine Mitte auf. Jetzt war es mir aber auch wieder nicht recht - denn hatte diese Abstinenz nicht auch was Gutes? Ich hatte eine Ahnung bekommen, wie es sich auf einem 3 Mrd. Lichtjahre entfernten Planeten so anfühlen könnte - So wankelhaft ist der Mensch! 

Diese Erfahrung nehme ich zumindest mit. Das ist mehr als gar nix.