Samstag, 20. Juli 2013

Ein hässlicher Bürokraten-Begriff für eine sehr menschliche Schwäche: Prokrastination




Sie kennen das lästige, nagende Gefühl und das dahinter verborgene Verhalten bestimmt auch - ganz klar - gegen die Aufschieberitis ist keiner gefeit. Es erwischt uns, wenn wir gar nicht damit rechnen, wie ein Schnupfen, nachdem wir Anfang November noch einmal im Überschwang der Gefühle in den Atlantik gehüpft sind. Sie fühlt sich an wie unsichtbare Handschellen, die uns in unserer Aktivität ausbremsen und uns bis zum allerletzten Moment warten lassen. Obwohl die Koffer für die angeordnete Geschäftsreise gepackt werden, der Weihnachtsbaum geschmückt, die Steuererklärung abgegeben müssten. Auch die Deadline für einen Auftrag ist nicht mehr aufzuhalten, das fällige Gespräch mit der Bank, überfällige Vorsorgechecks schaffen Unbehagen oder der Besuch bei Erbtante Anna im Altersheim. 

Wir fühlen uns schlecht, träge und schuldig - aber nicht selten stecken der Drang nach Perfektionismus dahinter, die Erwartung von negativen Reaktionen (Tante Anna könnte ihr Testament geändert haben!) oder die Unfähigkeit, das, was man von Ihnen erwartet, richtig einzuschätzen. Starke Vermeidungsverhalten entwickeln eine fatale Eigendynamik, einen inneren Impetus, sich vor einer Herausforderung wegzuducken, die eine gefühlte oder imaginierte Niederlage oder - im Erfolgsfall - eine noch größere Herausforderung mich sich führen würde.

Allzu menschlich - sehr verständlich. Aber was hilft uns weiter? Vor allem, geduldig mit uns selbst zu sein, gütig und einfühlend. Auf den Bauch achten. In den allermeisten Fällen hat er recht! Schuldgefühle sind nicht angeboren, sondern anerzogen. Sie können sich zäh halten, sind aber in den allermeisten Fällen obsolet - also weg damit! 

Beginnen Sie damit, eine gestellte Aufgabe im Überblick zu sehen, ihre Dimension und ihre Anforderungen an Sie, auch in ihrer Relevanz auf Ihr Leben einzuschätzen, in kleine Teilschritte einzuteilen und nach und nach abzuarbeiten. Einen Überblick gewinnen heißt einen Elefanten in mehreren kleinen Portionen zu verspeisen und damit auch besser zu verdauen! Wenn Sie diesen Überblick gewonnen haben und wissen, welche Teilschritte eine bestimmte Maßnahme erfordert, fühlen Sie sich schon einmal in die Euphorie hinein, die Sie empfinden werden, wenn diese Aufgabe bewältigt hinter Ihnen liegen wird. 

Das könnte der Beginn einer langen Freundschaft sein - mit Tante Anna, der Steuerbehörde oder dem Elefanten.