Samstag, 5. Juli 2014

Aufgespießt! Es ist eben doch nicht alles wurscht!

Wussten Sie, dass eines der heiligsten weiß-blauen Kulturgüter, die Münchner Weißwurst, bereits eine frühe Vorfahrin hatte? Während der französischen napoleonischen Besatzungszeit kreierte man in Hamburg eine Boudin blanc aus Kalbfleisch, die mit Störroggen aus der Elbe verfeinert wurde (oh là là - les francais!) und damals viele Anhänger fand. Auch im Mutterland selbst. Alexandre Dumas, Schriftsteller und Genussmensch, befeuchtete sie mit einem trockenen weißen Burgunder wie es sich gehörte.

Gönnen Sie sich einen Zipfel vom Wurstglück und lesen Sie hier weiter: http://www.kochform.de/Fleisch-V-Aus-der-Wuerstlkueche.htm

Beim Schreiben bekam ich mächtig Appetit auf eine Sommerfrische in einem bayerischen Biergarten oder einem fränkischen Weinkeller - wo man mit Wonne üppig bestellten Brotzeittellern, Wurstsalat oder Blauen Zipfeln den Garaus macht. Begleitet von einem Bauernbrot, das noch handgeformt und im Holzofen scharf gebacken wurde, aus echtem Sauerteig und mit Anis und Kümmel fein gewürzt. Kein Laib wie der andere, mit Ecken und Kanten, einem nasekitzelnden Duft, einer kräftiger Kruste und konsistenter Krume, köstlich bis zum letzten Kanten.

Also - nix wie raus und nach einem schönen Sommerplätzchen Ausschau gehalten. Oder gleich zum Metzger, aber möglichst zu dem, der auch wirklich noch sein Eigenverwurstetes in die Theke legt. Aber die sind rar geworden. Eigentlich eine Kulturschande.