Mittwoch, 27. August 2014

Die Mittwochssuppe: Scharfe Thai-Karpfensuppe

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!

Dieses Mal wage ich mich an einen Tiergenossen, der nicht jedem vertraut ist. Zweifellos ein Wagnis - aber wer ferne Weiten sucht, muss ausgetretene Pfade verlassen. Welcher kluge Mensch hat das gesagt? Ach anyway, könnte jeder gewesen sein ...

Im August und September werden sie bevorzugt herausgefischt, unsere Süßwasserlieblinge Karpfen, Forelle, Waller und Schleie. Eigentlich wollte ich heute ganz fränkisch Forelle oder Karpfen in feiner Wurzelbrühe servieren - denn in fränkischen, oberpfälzischen und bayerischen Fischgründen und Teichen wuseln sie am liebsten herum, die kleinen und großen Kaliber, die ganz zarten Mimöschen, die die Pubertät noch nicht überstanden und die bemoosten Häupter, die Jahrzehnte auf dem beflossten Buckel haben.

Manche mögen ihn gar nicht, andere sind gerade süchtig nach ihm. Dem Karpfen, der bullig wie ein kleines Schweinchen seiner Wege paddelt. Bis zu 45 Jahre kann er leben, 1,20 lang und 30 kg schwer werden. Übrigens zieht der Karpfen nicht nur bei uns seine Kreise, sein Verwandter im Mekong-Delta bringt 150 kg sorgfältig angefuttertes Fischfleisch auf die Küchenwaage. Also - wenn das nächste Familienfest ansteht ... Aber nicht mit den Koi-Karpfen in Nachbars Gartenteich verwechseln ;-) 

Doch dann gefiel mir der Gedanke, dem Karpfen mit Chili, Galgant, Ingwer und Zitronengras die exotische Raffinesse zu geben, die dem brav-schnorchelnden Wasserfreund so richtig gut tut. Karpfencamouflage sozusagen! Eine aparte Paarung zwischen solide (Karpfen) und keck (Garnele)!

Scharfe Thaisuppe mit Garnelen und Karpfenfilets


Wir brauchen:

500 g Karpfenfilets (alternativ für Karpfenverächter: Zander, Lachs), 500 g Riesengarnelen mit Kopf und Schale, 30 g frische Galgantwurzel, 20 g frische Ingwerwurzel, 2 Stengel Zitronengras, Limettenblätter, 1-2 Limetten, Koriandergrün, 3 grüne und 2 rote Chilischoten, 2 Frühlingszwiebeln,  2 EL Pflanzenöl, 1,5 L Wasser, 1 TL Salz, optional: 100 ml Kokosmilch

Und so geht's:

1 Garnelenschwänze und Köpfe trennen, Schale des Schwanzteils ablösen, Darm vorsichtig herausziehen. Karpfenfilets wässern, säuern, in mundgerechte Stücke schneiden.

2 Die Wurzeln schälen, klein schneiden, Zitronengras fein hacken. Chilis aushöhlen, in Ringe schneiden, Frühlingszwiebeln putzen und grob würfeln.

3 Im erhitzten Öl im Wok Garnelenschalen und Köpfe rosa garen, mit Wasser angießen, Salz, Zitronengras, Galgant, Ingwer, grüne Chillies, Limettenabrieb und Limettenblätter einrühren, aufkochen, 1/2 Stunde zum Sud köcheln. Ein paar Tropfen trockenen Sherry können nicht schaden!

4 Brühe abseihen, auffangen, zurück in den Wok geben und aufkochen. Karpfenfilets, rote Chiliringe und Frühlingszwiebeln einrühren, 2-3 Minuten köcheln lassen, dann die Garnelen dazu und alles garziehen. Das Gemüse sollte knackig bleiben. Mit Limettensaft abschmecken, mit Koriandergrün bestreuen, ggfs. ein paar Löffel Kokosmilch einrühren.

Wer es als volle Mahlzeit genießen will, gart im Steamer etwas Reis dazu.

Auch Tschechen, Ungarn und Polen löffeln köstliche Suppen mit Süßwasserfisch, z.B. eine Karpfencreme, in der geriebenes Wurzelgemüse (Sellerie, Petersilienwurzel, Karotte) in Butter angeschwitzt, mit Karpfenbrühe (gekocht aus Kopf, Karkasse, Weißwein, Wasser und Gewürzen) aufgegossen, mit Grieß angedickt und mit gezupftem Fischfleisch und Knoblauch-Croutons angereichert wird. Nicht zu vergessen: Paprika, Piment, Sauerrahm, frische Kräuter wie Dill oder Borretsch.

Mehr zu Süßwasserfisch (national und international) gibt's hier: http://www.kochform.de/Suesswasserparadies-Bayern-und-Franken.htm


Für diese Sache mit der Flosse im Geldbeutel (Silvesterritual) ist es ja noch etwas zu früh im Jahr - aber es kann ja nie schaden!!

MissWord! empfiehlt: Mal die Harpune aus dem Speicher geholt und im nächsten Tümpel auf Karpfenjagd gegangen!

Die alten Römer der für ihre Dekadenz bekannten Spätzeit hielten sich in ihren luxuriösen Feriendomizilen auf Capri und im Golf von Sorrent im Garten Fischseen, in denen ihre Lieblingskarpfen mit Brillis in den Kiemen ein feudales Leben fristeten und vom Hackebeil des Kochs natürlich verschont blieben .. Na ja, wer's mag.