Donnerstag, 15. August 2013

Urlaubsknigge IX: Frankreich


 Französische Potage à l'oignon




La grande Nation!

Frankreich genießt zu Recht den Ruf eines der attraktivsten Reiseländer überhaupt zu sein. Für uns als Nachbar bestens erreichbar, und ein wenig Französisch lernt sich oft in der Schule. Bekanntlich erwarten Franzosen von ausländischen Besuchern, dass sie sich der französischen Sprache bedienen, selbst wenn Monsieur oder Madame sich selbst recht ordentlich auf englisch oder deutsch ausdrücken könnten. Daher sind ein paar Phrasen Französisch äußerst hilfreich, um in Frankreich als Deutscher gut anzukommen. 

Top 1) In Frankreich dreht sich immer noch der Kosmos um eine gute Cuisine, die Fähigkeit zu Genuss und Lebensart, auch wenn die schöne Sitte eine lange Mittagspause im Bistro oder Restaurant einzulegen durch Schnellimbiss und Straßensnacks auch im Mutterland des guten Geschmacks aufgeweicht ist. 

Um nicht anzuecken, sollte man hier genauer hinsehen:

 - "Madame a choisi?" Im Restaurant bestellt die Dame zuerst.
- Die Franzosen lieben ihre große Nation, was sich auch in Kleinigkeiten ausdrückt: Nicht französischen Wein zu bestellen wäre eine große Beleidigung.
- Erst ein "Bon appétit" (Guten Appetit) ist das Startzeichen, um zu Messer und Gabel zu greifen. Dabei warten die Herren galant, bis die Damen am Tisch den ersten Bissen zu sich genommen haben.
- Feste Tischzeiten beachten: Von 11:30-14:00 und von 19.30 - 22:00 Uhr können Sie nach Herzenslust tafeln. Darüber hinaus ist kein Pardon von den sonst so höflichen Franzosen zu erwarten (außer in Nachtlokalen wie dem "Chez Ivan" nahe der Pont Neuf, das erst ab Mitternacht so richtig rege wird. Man speist nicht wirklich vorzüglich, aber in Tuchfühlung mit sehr prätentiösen Damen, die sich beim näheren Hinsicht nicht selten als Monsieur outen.
- In den Sommermonaten Juli/August kann es Ihnen passieren, dass die meisten Restaurants "fermé" sind, denn die Franzosen gehen beinahe geschlossen in die Ferien.
- Die Speisenfolge unbedingt einhalten: Zu einem veritablen Essen gehören "Apéritif" (Aperitif), "Plat" (Hauptgericht), "Fromage" (Käse) und "Dessert" (Nachspeise). Dazu ein Glas Wein, oder zwei. Das ist wie das Amen in der Kirche. Besonders auf den Nachtisch wird viel Wert gelegt. Ohne hat man "nicht gegessen" (so sagen die Franzosen).
-  Erlaubt ist was schmeckt: Fleisch darf beinahe roh auf den Tisch kommen (rohes Tatar ist sehr beliebt). Es wird als Affront empfunden, ein blutiges, innen rotes Stück Fleisch in die Küche zurück gehen zu lassen. Machen Sie sich daher mit den verschiedenen Garstufen vertraut. Auf die Frage "Quelle cuisson?" (Wie möchten Sie es gebraten haben?) antworten Sie (von fast roh bis durchgebraten): "bleu, saignant" (blutig), "à point" (medium) und "bien cuit" (gut durch). Sollten Sie es richtig durchgebraten lieben, formulieren Sie: "Très bien cuit, s'il vous plaît."
- Service: Freundlich, mit einem netten Gruß und einem Lächeln geht es leichter, wenn Sie etwas bestellen möchten. In Frankreich, wo guter Service leider keine Selbstverständlichkeit ist, sollten Sie um die Gunst des Servicedienstleisters werben. 
- Das köstlich-knusprige Baguette niemals schneiden, sondern brechen und in kleinen Stückchen genießen!
- Den Tisch niemals selbst auswählen, sondern sich zu einem Platz begleiten lassen.
- Trinkgeld für die Servicekraft einfach (und nicht zu knapp auf dem Tisch liegen lassen!


Top 2) Im näheren Kontakt mit Franzosen Contenance wahren:

-  Verwenden Sie zur Begrüßung die Phrase "Ca va?". Das kommt dem englischen "How are you?" gleich. Man antwortet darauf lediglich mit einem "Ca va!" (alles gut) oder "Ca va bien - et toi?"(und bei dir?) und erzählt sich - ähnlich wie im Angelsächsischen - nicht wirklich alle Probleme und Befindlichkeiten seiner aktuellen Lebenslage. - Achten Sie darauf, das geläufige "Monsieur" oder "Madame" einzuflechten.
- Sie oder Du? Franzosen gehen förmlicher miteinander um - Urlaubsbekanntschaften auf keinen Fall kumpelhaft duzen! Mit Wangenküssen äußerst sparsam umgehen!
- L'amitié: Franzosen mögen Deutsche lieber als wir denken. Selbst wenn es mit der Sprache nicht ganz so klappt, ist ein Lächeln, das Interesse am gegenseitigen Kontakt zeigt, Gold wert. 
- Gerne werden Nachbarn, neue Bekanntschaften und Freunde lediglich zu einem Aperitif eingeladen. Oft fällt dieser sehr üppig aus. Die Männer trinken Pastis (französische Spirituose aus Anis, mit Wasser verdünnt) und die Frauen Champagner oder einen Kir (Mischgetränk aus Weißwein und Crème de Cassis) und jede Menge Salziges, Herzhaftes und Frisches wird dazu als Häppchen angeboten.
- Seien Sie nicht allzu pünktlich, wenn Sie zum Diner geladen sind. Das akademische Viertel ist normal.

Top 3) Was sonst im Urlaubs-Alltag wichtig ist -

- Trotz herrschendem Rauchverbot und überirdisch hohen Zigarettenpreisen genießen Gauloise & Co in Frankreich noch viel Zuspruch. Französische Raucher, die im Süden leben, haben es gut. Sie decken ihren Bedarf gerne über der Grenze in Andorra bzw. in Par de la casa. Meist und gerne an Feiertagen oder Wochenende. Dann sollte man diese Regionen - wegen Überfüllung - meiden.
- Montags sind fast alle kleinen Geschäfte, Banken und Restaurants geschlossen.
- Passen Sie sich dem Verkehrsfluss an, sonst "verhungern" Sie am Kreisverkehr. Franzosen lassen nur sehr ungern einen anderen Autofahrer vor. Da gilt es einfach mutig darauf los zu fahren, es sei denn, sie hängen sehr an Ihrem Wagen.
- Geschwindigkeitsbeschränkungen eisern einhalten!
- Im Taxi die hinteren Plätze einnehmen!

et alors - bon voyage et bon appétit!