Donnerstag, 11. April 2013


Well-Being beginnt mit Entschleunigung



Wellness hat Inflation. Wellnessmassagen für Babys, Wellnesskekse für Dackel und Wellnessberater für die, die alles haben außer guter Laune. Auch Multitasking ist in aller Munde. Gleichzeitig telefonieren und einen Aufsatz schreiben - viele junge Leute tun dies. Mütter konnten das schon lange, nur hieß es da Kinderbetreuung. Uns Menschen scheint die Zeit durch die Finger zu rinnen, und doch machen wir nicht das Beste aus ihr. Ist langsamer zu leben nicht auch eine Art von Wellness?

Bei der Erfindung der Eisenbahn ging neben Erstaunen auch ein Aufschrei durch die Menschen, weil man damals meinte, dass eine Geschwindigkeit, die höher als 30 km/h war, bei den Fahrgästen Gehirnerweichung nach sich ziehen musste. Menschen mussten seitdem immer flexibler und schneller werden und ihr Selbstwertgefühl nach einer stetig sich steigernden Anerkennungsquote orientieren, die nie ganz ausreicht, weil die eigene Leistung ständig von anderen überboten wird. In der Geschichte aber ist erwiesen, dass echte Leistungen dann erreicht werden, wenn jemand an bestimmten Wertvorstellungen festhält und weiß, was ihm wirklich wichtig ist.

Einfach mal Fünfe gerade sein lassen ..

Heute scheint uns dieses Gefühl verloren zu gehen, unsere eigene innere Logik ist nicht mehr der Kompass unseres Denkens und Handelns. Zeit war in allen Zeiten kostbar, aber nie so gefährdet wie heute. Die hochmoderne technologische Beschleunigung sollte uns doch mehr Zeit schenken für die eigentlichen Dinge im Leben. Doch Familienzeit wird auf ein Minimum beschränkt, Emotionen und Gefühle dürfen uns nicht zu viel Zeit rauben. 

Menschen fühlen sich am wohlsten, wenn sie das tun, bei dem sie mit ihrem Innersten eng verbunden sind, worauf sie Einfluss haben, wo sie sich selbstbestimmt fühlen. Warum vergeuden wir so viel Zeit damit, uns von außen bewegen, berieseln, anregen und bestimmen zu lassen? Durch Fernsehen, hyperaktiven Freizeitmüll, Überhäufung von Pflichten, Kaufzwängen, die nicht wirklich und nur kurzzeitig befriedigen?

Einfach mal wieder den Aus-Knopf drücken, reduzieren, es langsamer angehen lassen. Sich einen Tag wie ein Bonbon auf der Zunge zergehen lassen. Jemanden, den man mag, anrufen und ihm Zeit schenken. Sich der Dinge klar werden, die man um sich gehäuft hat - und entmotten, verkleinern, entschleunigen, um sie endlich genießen zu können. Zeit im Überfluss dabei verstreichen lassen, mit sich selbst ins Reine zu kommen.  Vielleicht ist das der wahre Wellness-Genuss?